Grundsätzlich sitzen alle in einem Boot und sollten auch gemeinsam in die gleiche Richtung rudern: Marken-Autohäuser, freie Werkstätten, Lack- und Karosseriebetriebe und Reifenspezialisten. Durch die längere Behalte-Dauer in den vergangenen Jahren war die Auslastung in nahezu allen Betrieben hoch, der Fachkräftemangel hat das teilweise sogar zum Kapazitäts-Problem gemacht. Doch das Geschäft verändert sich. In den Marken-Betrieben ist das Neuzulassungs-Loch aus den vergangenen Jahren bereits angekommen, manche Marken spüren den niedrigeren Service-Aufwand und den rückläufigen Schmierstoff-Ertrag durch die Elektromobilität bereits. 

Lack- und Karosseriebetriebe spüren die Auswirkungen der Assistenzsysteme, weniger Unfälle, geringere Schadenintensität. Gleichzeitig steigen die Reparaturkosten durch moderne Systeme und ADAS-Sensoren. Für den Privatkunden werden Instandsetzungen schwieriger zu finanzieren, Ablösen sind die Folge.

Sicheres Thema: Reifen

Die Reifenspezialisten spüren bei den jüngeren Fahrzeugen das verstärkte Engagement der Autohäuser und die Full-Service-Leasing-Angebote, die entsprechende Kooperationen erfordern. Dabei ist der Reifenbereich jenes Segment, das von der Elektromobilität profitiert: mit höherem Verschleiß und größeren Dimensionen.

Generell verschiebt die Elektro-Mobilität die (Verschleiß-)Reparaturen ins höhere Fahrzeugalter. Dabei stellt sich die Frage, ob das Vertrauen des Konsumenten in diesem Bereich eher beim Markenbetrieb liegt oder bereits in die freie Werkstätte führt.

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Seitens der Markenbetriebe wird oft vermutet, dass die zunehmende Komplexität die Entwicklung für freie Betriebe erschwert. Teilweise ist das Gegenteil der Fall: Teilehandel in Kooperation mit den großen Teileherstellern, die oft auch OE-Lieferanten sind, unterstützen die freien Betriebe mit Reparaturlösungen, Reparaturinformationen und – mehrmals am Tag – mit Ersatzteil-Lieferungen. Diagnose und Reparatur erfolgt hier an einem Tag, während Markenbetriebe oft mit der Ersatzteilbestellung zwei Tage benötigen, mit entsprechendem Aufwand bei den Serviceersatzfahrzeugen. Die Garantie-Arbeiten, vor allem die Diagnose werden aufwändiger, immer bürokratischer. Und sind (bei Hersteller-Garantien) nicht sehr ertragreich. 

Zeitwert-Reparatur und Tausch

Zudem geben die Hersteller eher den Tausch vor, während bei freien Werkstätten noch Reparatur-Lösungen angeboten werden können. Das ist bei älteren Fahrzeugen ebenso ein wesentlicher Vorteil wie die Zeitwert-Reparatur mit Ident-Teilen.

Bei der Customer Journey ist hingegen das Marken-Autohaus besser aufgestellt, nicht zuletzt aufgrund entsprechender Vorgaben der Hersteller. In der Kundenbetreuung inklusive Digitalisierung liegt sicher der größte Aufholbedarf der freien Betriebe. Funktionierende Prozesse, eine Grundvoraussetzung für den Einsatz von KI, sind bei vielen „Freien“ noch, naja, optimierungsbedürftig. 

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Insgesamt vergrößert sich dort das Potenzial, weil – neben dem „Mittelalter“ und preissensiblen Besitzern jüngerer Autos, auch ältere Fahrzeuge, die bislang ohne Profis betreut wurden, nun zum Fachmann in die Werkstätte kommen müssen.  

Der Bruch findet oft beim Fahrzeugwechsel statt. Während Erstbesitzer dem Markenbetrieb treu sind – aus Garantiegründen, aber verstärkt auch wegen Serviceverträgen im Operating-Leasing –, ist der Zweitbesitzer schon deutlich schwieriger an die Marken-Werkstätte zu binden.

Zusammenarbeit und Zusammenhalt

Für alle gilt: Die Themen werden komplexer, das Kundenverhalten verändert sich ebenso wie die Kaufkraft und die Besitzmodelle. Bei Branchenveranstaltungen und von Experten wird ein breites Angebots-Portfolio empfohlen, Betriebe sollten sich breiter aufstellen und neue Ertragsfelder öffnen. Doch das muss nicht immer direkt im Betrieb erfolgen, sondern würde sich teilweise auch durch Kooperation realisieren lassen. Zusammenarbeit und Zusammenhalt in der Branche ist gefragt.