Die selbstbewussten Auftritte chinesischer Hersteller sind – auf Automotive-Messen im Allgemeinen und auch auf der „Tire“ im Speziellen – längst keine Neuheit mehr: Linglong Tire präsentierte auf breiter Fläche unter anderem den neuen UHP-Sommerreifen Sport Master 2. Wie CEO Andy Zhou hervorstrich, wird der Reifen in Europa, nämlich in Serbien, produziert und sei für den europäischen Markt entwickelt worden. Zhou sagte, er glaube, dass der Reifen insbesondere in puncto Nachhaltigkeit und strenger werdende Regularien betreffend noch deutlich an Bedeutung gewinnen werde.
Am Stand von Alcar Wheels aus dem niederösterreichischen Hirtenberg spielte das Thema Nachhaltigkeit ebenso eine wichtige Rolle. So wurde die neue erion-Palette gezeigt: hochmoderne Stahlfelgen für das Segment der E-Fahrzeuge, über die Christian Morawa, CEO, und Pressesprecher Hieronymus Tupay Standbesucher informierten – ebenso wie über die neuesten Alufelgen-Designs und Neuheiten bei RDKS, etwa für Motorräder.
Ingo Riedeberger, Messedirektor für die Tire Cologne bei Koelnmesse, betonte die gesteigerte Bedeutung der Dienstleistungs-Anbieter auf der Messe, die auf einem großen „Walk of Services“ stark vertreten waren: Hier fand sich Diagnose-Anbieter Launch neben Ausstattern wie Beissbarth oder Hunter – wo die neue Radauswuchtmaschine RoadForce Walk-away für reges Besucherinteresse sorgte. Bei Schrader/Sensata zeigte das Team um PR-Managerin Mariam Lochoshvili unter anderem das exklusive ST-1 RDKS-Programmiergerät, welches durch Bluetooth-Kommunikation die Arbeit in der Werkstatt stark vereinfacht.
Die jüngst zur Falken-Mutter Sumitomo Rubber Industries zurückgekehrte Reifenmarke Dunlop werde am Markt gut angenommen, erklärte Verkaufsverantwortlicher Günther Riepl. Er ortete ein verspätetes Sommerreifengeschäft und setzt große Hoffnungen auf ein starkes Winterreifengeschäft. Eine Belastung würden aktuell die hohen Logistikkosten darstellen, die noch mehr Einfluss als die Rohstoffkosten hätten, so Riepl.
Ähnlich bewertete Mag. Jorge Costa, Senior Sales Manager Austria bei Kumho Tire, die Marktlage. Die Entwicklung im Jahresvergleich sei leicht rückläufig, trotzdem herrsche für das Gesamtjahr Optimismus vor. In Österreich komme die koreanische Reifenmarke auf 9 Prozent Marktanteil, jener in Europa betrage 5 Prozent, ergänzte Managing Director Europe Dan (Dong Sup) Shim.
Eine positive Bilanz für das Partnerkonzept Reifen 1+ von Interpneu zog der dafür verantwortliche Verkaufsleiter Andreas Burk. In Österreich gebe es aktuell 37 Partnerbetriebe in vier Konzeptstufen, damit sei man flächendeckend vertreten. Generell laufe es für Interpneu in Österreich „recht gut“, 2026 sei aber bis dato ein „schweres Jahr“ für die Reifenbranche gewesen, so Burk.
Auf dem Stand von Prinx Chengshan dominierten einmal mehr die Lkw-Anwendungen. Europa-Verantwortlicher Thomas Wohlgemuth verwies auf die kürzlich geschlossene Partnerschaft mit Eurowheel aus Vorchdorf (Oberösterreich) bei Lkw-Reifen der Marke Austone. Mit Austone will man aber nun verstärkt auch im Pkw-Segment Fuß fassen. Es gehe darum, mit Qualität auf dem europäischen Markt zu punkten, so Wohlgemuth. Dazu trage auch das eigene „Europe Tech Center“ in Hannover bei.
Ein umfangreiches Portfolio an (7!) Eigenmarken zeigte der Österreich-Sales-Manager John De Pauw von Reifengroßhändler Deldo, die auch nach Österreich geliefert werden. Bei Zafco werden Pkw-Reifen aus der Produktion in Marokko oder Thailand nach Europa gebracht – wenn auch (noch) nicht nach Österreich. Im Fokus am imposanten Stand standen die Pneus der Marke Armstrong, einer amerikanischen Traditions-Brand, die in Pkw- und Nutzfahrzeugsegmenten wiederbelebt wurde. Bei Triangle Tyre, in Österreich durch Achleitner vertrieben, wurden unter anderem Neuheiten im UHP-Segment sowie ein besonders nachhaltiger Touring-Pneu und ein neuer All-Season für Vans gezeigt.
44 Neuaussteller im Servicebereich
Die Beteiligung aus Reifenfachhandel und Werkstattumfeld an der Messe sei heuer deutlich gewachsen, bilanzierte der Veranstalter: Von 147 teilnehmenden Unternehmen waren 44 Neuaussteller im Service-Bereich. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema der Kreislaufwirtschaft, das von diversen Ausstellern ebenso bespielt wurde wie durch Vorträge und Diskussionen. Die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) bot auf großer Fläche vielen Marken die Gelegenheit, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu präsentieren: Auf der Fläche in Halle 7 fanden sich (an Kleinstständen) Marken wie Nokian, Apollo Vredestein oder Michelin. AZuR setzt sich für eine klimafreundliche Reifen-Kreislaufwirtschaft in Europa ein. Neureifen sollen möglichst nachhaltig hergestellt, Altreifen durch Runderneuerung, Reparatur oder Recycling im Wertstoffkreislauf gehalten werden.
(Reifen-)Treffpunkt mit vielen Abwesenden
Die Tire Cologne zieht auch viele bekannte Gesichter aus der (österreichischen) Reifenbranche an, auch wenn gefühlt deren Besuch immer seltener ausfällt. So waren vereinzelt Verantwortliche aus Handel und von Netzwerken anzutreffen. Und natürlich auch jene, deren Marken nicht (mehr) ausstellen. Produkte aus Asien zeigten in den Messehallen geballt Präsenz, darunter bekannte bis gänzlich unbekannte. Da darf auch deren Relevanz für den mitteleuropäischen Markt in Frage gestellt werden. Allerdings, wenn man den Aussagen des Handels folgt, sind Endkunden Marken im preissensiblen Segment gegenüber durchaus aufgeschlossen. „Der Händler verkauft die Marke“, erklärte Eugen Straub vom gleichnamigen Reifenhändler mit mehreren Standorten in Deutschland, der auch in Österreich aktiv ist. Seit Längerem werden etwa die Marken Linglong und Momo (D-A-CH) sowie Sailun (Deutschland) geführt. Die Kunden würden günstigere Reifen längst akzeptieren, und das, so Straub, auch in Gegenden mit generell starker Kaufkraft.
