Vorstand und Aufsichtsrat der Volkswagen Gruppe sehen das bisherige Geschäftsmodell offenbar nicht mehr als zukunftsfähig an. Diese Einschätzung soll bei einer Aufsichtsratssitzung am Montag, 27. April, gereift sein. Formale Beschlüsse gab es nach Angaben aus Wolfsburg zwar nicht, die Richtung ist dennoch klar: Der Konzern muss sich strukturell neu aufstellen.

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Über Jahrzehnte beruhte der Erfolg von Volkswagen darauf, Fahrzeuge vor allem in Deutschland zu entwickeln und anschließend zu exportieren oder für ausländische Märkte angepasst vor Ort zu produzieren. Dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Zölle und der technologische Wandel zwingen den Konzern zu einer stärkeren Lokalisierung seiner Wertschöpfung.

Regionale Produktion und tiefgreifende Sparmaßnahmen

In den kommenden Wochen und Monaten sollen deshalb konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. Neben einer stärkeren regionalen Produktion in wichtigen Absatzmärkten stehen auch tiefgreifende Sparmaßnahmen und strukturelle Anpassungen im Raum, die über klassische Effizienzprogramme hinausgehen. Erste Ergebnisse sollen nach dem Sommer vorgestellt werden. Dann wird auch mit dem lange erwarteten konzernweiten Werksbelegungsplan gerechnet.

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Ein zentrales Thema bleibt die Überkapazität. Bei einer realistischen Absatzerwartung von rund neun Millionen Fahrzeugen jährlich dürften die Fertigungskapazitäten weiter reduziert werden. Nach bereits beschlossenen Kürzungen in Europa und China könnte eine weitere Million Einheiten wegfallen.

Audi, Porsche und VW-Werke geraten stärker unter Druck

Die geplante Neuordnung sorgt vor allem bei Audi für Unruhe. CEO Gernot Döllner hatte zuletzt angedeutet, dass die im März 2025 vereinbarten Maßnahmen des Zukunftspakts allein nicht ausreichen könnten, um die Marke langfristig tragfähig aufzustellen. Der Pakt sieht unter anderem eine Beschäftigungsgarantie bis 2033, den Abbau von bis zu 7.500 Stellen sowie Milliardeninvestitionen in die deutschen Standorte vor. Im Zuge der stärkeren Lokalisierung rückt auch eine Audi-Produktion in Nordamerika wieder in den Fokus.

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Bisher importiert Audi sämtliche Modelle in die USA und leidet dadurch besonders unter Zöllen. Im vergangenen Jahr belasteten diese das Ergebnis mit rund 1,2 Milliarden Euro; für das laufende Jahr wird mit einer ähnlichen Größenordnung gerechnet. Zugleich ging der Absatz in Nordamerika 2025 deutlich zurück. Audi betont, in den USA weiterwachsen und stärker lokalisieren zu wollen. Der Betriebsrat warnt hingegen vor Produktionsverlagerungen zulasten deutscher Werke. Gerüchte über eine mögliche Schließung von Neckarsulm weist Audi zurück, verweist aber darauf, dass es aktuell keine Entscheidung über weitere Sparmaßnahmen oder Werkschließungen gebe.

Auch bei Porsche und der Kernmarke Volkswagen stehen Einschnitte im Raum. Besonders unter Druck geraten die Produktionswerke Zwickau, Emden und Hannover. Berater sollen sogar Schließungen einzelner Standorte empfohlen haben. Konzernchef Oliver Blume betont jedoch, es gebe intelligentere Wege als sofortige Werksschließungen.