Handy abgeben, Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, dann wird die Tür in Ingolstadt geöffnet: Noch sind sie verhüllt, die beiden Fahrzeuge – je ein kleines und ein ziemlich großes. Erst als die Tücher abgezogen werden, sieht man die Details: Das kleinere entpuppt sich als Audi A2 e-tron, das große als Q9. Beide kommen, so viel dürfen wir bekannt geben, noch heuer gegen Jahresende auf den Markt. Und während das Elektroauto, das A1 und Q2 ersetzen soll, auch bei uns in Europa eine wichtige Rolle spielen soll, wird der Q9 (auch wenn er in Bratislava gebaut wird) wohl vor allem jenseits des großen Teiches seine Abnehmer finden.

Von A2 e-tron und Q9 ist auch am Morgen danach bei der Pressekonferenz die Rede: Die Zeiten haben sich geändert im Vergleich zur Zeit vor Corona. Damals war ein Schwung von Journalisten aus China im Raum, heute sieht man vor allem Kollegen und -innen aus Europa, darunter zwei aus Österreich.

Audi-Vorstandsvorsitzender Gernot Döllner lässt von Beginn an keinen Zweifel daran, dass Audi schon bessere Zeiten erlebt hat. Die Marke habe in den vergangenen 2 Jahren intern kräftig umgebaut: „Wir haben eine schlankere Organisation, unsere Entscheidungsebenen von 4 auf 3 reduziert und klare Prioritäten sowie Fast-track-Teams geschaffen.“ In der Umsetzung der vor rund einem Jahr beschlossenen Zukunftsvereinbarung mit den Gewerkschaften sei man sehr weit: „Wir werden insgesamt 7.500 Stellen bis 2029 abbauen, davon 6.500 bis Ende 2027. 95 Prozent sind bereits umgesetzt oder verbindlich vereinbart.“ 

Und auf die Frage, ob die europäische Automobilindustrie den Ernst der Lage erkannt habe, antwortete Döllner ganz klar: „Wir brauchen Innovation und Tempo. Am Status quo festzuhalten, führt uns nicht in die Zukunft.“ Nostalgie sei keine Strategie, so der Audi-Chef: „Die Automobilbranche muss sich neu erfinden, denn die USA und China treiben die Megatrends, Deutschland und Europa sind zurückgefallen.“

Dann stellte Döllner Forderungen an die Politik: „Zuallererst brauchen wir mehr Verlässlichkeit, denn Deutschland steht wirtschaftlich unter Druck.“ Das Wirtschaftswachstum müsse wieder steigen, es müsse deutlich weniger Bürokratie und attraktive Energiepreise geben. Denn die Kosten für die Energie würden sich international erheblich unterscheiden, was die Fahrzeugproduktion in Europa erschwere: „Selbst bei der Vollladung eines E-Autos schwanken die Preise deutlich.“ Im Zuge der vielen geopolitischen Krisen der vergangenen Jahre habe Audi die Lieferketten klar diversifiziert und die Abhängigkeiten reduziert: „Dadurch haben wir in der Nexperia-Krise kein einziges Fahrzeug verloren.“ 

Lokalisierung in China mit der Wortmarke AUDI

In Europa wolle man in den kommenden Jahren mit einem „geschärften Portfolio und der nächsten Produktgeneration“ erfolgreich sein, in China setze man (auch mit der sogenannten Wortmarke AUDI ohne die 4 Ringe) auf eine starke Lokalisierung und in Nordamerika baue man mit Q7 und Q9 gezielt aus und prüfe derzeit intensiv, wie man die Lokalisierung stärken könne – eventuell auch mit einer eigenen Fabrik, die man möglicherweise im Volkswagen Konzern gemeinsam errichten werde.

Darauf ging auch Finanzvorstand Jürgen Rittersberger ein: Die politischen Unsicherheiten seien 2025 groß gewesen, die Handelsbarrieren und US-Zölle hätten sich negativ ausgewirkt und der Preisdruck sei spürbar gestiegen. Dies habe sich nicht nur in China und den USA negativ ausgewirkt, auch der Markt in Europa sei anspruchsvoll gewesen: Deshalb habe Audi mittlerweile „einige hundert Millionen Euro“ zurückgestellt, um für eventuelle Zahlungen an die EU wegen der möglichen Nichterreichung der CO2-Zielvorgaben gerüstet zu sein.

Nicht zuletzt wegen der Modellwechsel bei einigen wichtigen Fahrzeugen (Q5, A5, A6 und Q3) und der weltpolitischen Probleme kam es bei Audi im Vorjahr zu einem Rückgang im Neuwagen-Absatz um 2,9 Prozent auf 1.623.551 Fahrzeuge. In Europa war das Minus mit 646.046 Einheiten (-0,46 %) deutlich geringer als in Nordamerika (202.143 Stück, -12,2 %) und in China (617.514 Neuzulassungen, -5,0 %). 

Gestiegen ist hingegen der Absatz von Elektrofahrzeugen, und zwar weltweit um 35,6 Prozent auf 223.032 Einheiten. Knapp mehr als die Hälfte davon, 112.872 Stück, wurden in Europa abgesetzt, wo das Plus 39,8 Prozent betrug. Der Anteil von BEVs am weltweiten Absatz ist bei Audi von 2024 auf 2025 von 9,7 auf 13,6 Prozent gestiegen.

Bei Umsätzen von 65,5 Milliarden Euro erzielte Audi 2025 ein operatives Ergebnis von 3,4 Milliarden Euro und eine operative Umsatzrendite von 5,1 Prozent. Rittersberger: „Unser Ergebnis wurde mit 1,2 Milliarden Euro durch die US-Zölle belastet: Das hat uns fast 2 Prozent Umsatzrendite gekostet.“ 

Aus Europa importierte Fahrzeuge werden in den USA mit Zoll von 10 Prozent belastet, jene aus Mexiko sogar mit 27,5 Prozent. Dennoch soll die große Fabrik in Mexiko weiterhin eine wichtige Rolle im Produktionsnetzwerk spielen, da dort unter anderem der Q5 für den Weltmarkt produziert wird. 

Der Autohersteller will seine Auslieferungen heuer auf 1,65 bis 1,75 Millionen Stück steigern, der Umsatz soll zwischen 63 und 68 Milliarden Euro liegen; eine operative Umsatzrendite von 6 bis 8 Prozent wird angestrebt. Und das Concept C, das in Ingolstadt zu sehen war? Das Cabrio trägt ein völlig anderes Design als alle aktuellen Audi – und das soll bis Ende 2027, wenn das Auto in Serie startet, so bleiben.