Daten der Statistik Austria weisen für das Vorjahr 403 Todesfälle aus, die mit einem Verkehrsunfall in Verbindung stehen. Das sind um knapp 15 Prozent als 2024. In Summe wurden im Vorjahr 47.041 Verkehrsteilnehmer (+2,3 Prozent) bei 37.825 Unfällen verletzt. Das ist laut den Statistikern der Höchststand seit 2017.

Ein Blick auf die einzelnen Verkehrsmittel zeigt aber auch, dass Zuwächse bei Verletzten und Todesfällen vor allem auf Zweiräder, und hier im Konkreten E-Bikes und E-Scooter, entfallen. Auf zwei Fortbewegungsmittel also, die 2017 noch nicht so stark im Straßenbild vertreten waren. Aber auch bei Autos und Motorädern sind die Zahlen nicht gesunken, sondern annähernd stabil geblieben bzw. leicht gestiegen.

In der medialen Wahrnehmung werden die Ergebnisse unterschiedlich interpretiert. Während der ÖAMTC nicht ganz unbegründet zu verschärften Maßnahmen für E-Bike- und E-Scooter-Lenker, Stichwort Helmpflicht, drängt, nützt der nicht gerade als autoaffin bekannte Verkehrsclub Österreich (VCÖ) die Statistik dazu, um einmal mehr ein Tempolimit von 80 km/h auf Freilandstraßen zu fordern, dazu verstärkte Kontrollen, einen „Rückbau von Raserstrecken“ (was immer das sein soll) und einen Ausbau der Radinfrastruktur. Diese praxisfernen Forderungen könnte man nun Stück für Stück zerpflücken, zum Beispiel durch die Feststellung, dass auf vielen Freilandstraßen aufgrund der Straßenführung Tempo 100 (außer man ist professioneller Rennfahrer) gar nicht möglich ist und vielerorts bereits jetzt Limits von 70 km/h oder eben den geforderten 80 km/h vorherrschen. Ein Ja von mir kommt zur VCÖ-Forderung nach mehr Kontrollen, aber bitte neben den Auto- und Lkw-Lenkern auch von Rad- und E-Scooter-Fahrern – entsprechende Strafen inklusive. Denn wie diese manchmal als spürbar schwächere Verkehrsteilnehmer mit Auto oder Lkw in Nahkontakt treten (wollen), ist schlichtweg lebensgefährlich und gehört unterbunden.

Das Auto bleibt, wenig überraschend aufgrund der oftmals einzig sinnvoll einsetzbaren Möglichkeit der Fortbewegung, zwar in der Unfallstatistik mit Personenschaden in Front, aber die anderen Verkehrsmittel holen kontinuierlich auf. Die „Vision Zero“, also die gänzliche Vermeidung von Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr, ist begrüßenswert und die Automobilindustrie nimmt sich mit einer Vielzahl an verbauten Assistenzsystemen in den Fahrzeugen dieser Vision bereits seit Längerem an. Auch wenn das „Gepiepse“ oder das Eingreifen ins aktive Fahrgeschehen, etwa von hochsensiblen Spurhalteassistenten, manchmal nervt, braucht über deren prinzipielle Sinnhaftigkeit nicht diskutiert werden.

Generell geht es darum, die richtigen Schlüsse aus einer Statistik zu ziehen, und in diesem Fall muss die Antwort lauten: Jeder Un- oder Todesfall im Straßenverkehr ist einer zu viel, aber einzelne Maßnahmen für bzw. gegen bestimmte Gruppen von Verkehrsteilnehmern werden kaum zu einer Gesamtlösung beitragen. Sicherheit und deren Umsetzung in das tägliche Geschehen auf den Straßen muss für alle Verkehrsteilnehmer gelten!

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