Er muss es wissen, schließlich ist er der Direktor der Siegfried-Marcus-Berufsschule für Fahrzeugtechnik in der Scheydgasse im 21. Wiener Gemeindebezirk. Aufgrund des Standorts in der Bundeshauptstadt kommt es wenig überraschend, dass sich bei den Schülerinnen und Schülern, aber auch beim Lehrpersonal und in der Administration Personen unterschiedlicher Ursprungsnationalitäten wiederfinden.
„Berührungsängste fallen weg“
Nicht immer ist es einfach zu definieren, wer ein Migrant oder ein Mensch mit Migrationshintergrund ist. Unabhängig von Begrifflichkeiten geht der Berufsschuldirektor davon aus, dass bis zu 70 Prozent eben genau so einen Migrationshintergrund aufweisen. „Für die Klasse sind Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlicher kultureller Ausprägung gut, da Berührungsängste wegfallen“, betont Bauer. „Wir bilden ja nicht nur für die Kfz-Branche, sondern für die Gesellschaft aus.“ Worauf der Berufsschuldirektor hinaus will: Eine positiv absolvierte Lehrausbildung bildet die Grundlage einer guten beruflichen Zukunft. Und daran wird in der Scheydgasse mit Hochdruck gearbeitet. In der Regel sind 1.600 bis 1.700 Schülerinnen und Schüler in Klassenzimmern, Laboren und Werkstätten anzutreffen, pro Jahr starten rund 450 Personen im Kfz-Bereich. Von diesen wiederum halten rund 50 Prozent die Lehrausbildung und damit die Berufsschule durch. Knapp 200 melden sich für die Lehrabschlussprüfung an, rund 160 schaffen sie.
Auf die persönlichen Bedürfnisse der Auszubildenden wird Rücksicht genommen. „Das Lehrpersonal muss sich an die Schülerinnen und Schüler anpassen“, hält der Direktor fest. Nicht nur unterschiedliche Nationalitäten spielen eine Rolle, sondern auch Diversität. „Der Anteil an jungen Frauen beträgt 5 Prozent. Allein aus diesem Grund ist ‚Gender Diversity‘ für uns ein wichtiges Anliegen.“ Die aktuell über 70 Lehrerinnen und Lehrer vermitteln nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch soziale Kompetenzen. Denn unter den Schülerinnen und Schülern zeigt sich eine gewisse Heterogenität. So gibt es Klassen, in denen Lehrlinge bestimmter Markenbetriebe zusammengezogen werden. Und es gibt Klassen, in denen sich die Lehrkräfte stärker mit Sozialkompetenzen beschäftigen müssen. „Der Lehrstoff ist prinzipiell offen gestaltet. Man kann die Grund- bzw. Fachkompetenzen vermitteln und in die Tiefe des Unterrichtsstoffes gehen.“
