Diese Woche hat sich Österreichs Energie zum großen Kongress in der Wiener Hofburg getroffen, um die großen Herausforderungen in der Energiewende zu diskutieren. Nach der Brandrede von Minister Wolfgang Hattmannsdorfer für die österreichische Energiewirtschaft kam die erste Keynote dabei von Herbert Diess.

Seine Ausführungen waren vermutlich nicht im Sinne aller Teilnehmer der Energiebranche. Der ehemalige VW-Chef, der im Aufsichtsrat von Infineon sitzt und mit The Mobility House im Auto- und Energiebereich sehr aktiv ist, hat ein klares Bild von der Energiewende gezeichnet. „Alles was elektrifizierbar ist, wird elektrisch“, so Diess. Das freut auch die Elektrizitätswirtschaft. 

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Als Treiber sieht Diess jedoch die Solar-Energie, weil Photovoltaik (und Speicher) das größte Wachstum weltweit verzeichnen und immer günstiger werden. Das sehen nicht alle so. Außerdem wird hier das Automobil eine wichtige Rolle spielen.

Der Schwarm-Speicher 

The Mobility House integriert Elektroautos über Vehicle-to-Grid in das Energiesystem und baut damit eine gewaltige Speicherleistung auf. In Frankreich gibt es bereits Lösungen mit Renault, wo der Kunde für den Fahrstrom nicht bezahlt, wenn er den Akku bereitstellt. Weitere Lösungen werden folgen. Im Zusammenspiel von Elektroauto, Photovoltaikanlage, Hausverbrauch und intelligentem Energiemanagement können hier die Energiekosten künftig deutlich sinken. Auch der Netzausbau ist laut Diess dadurch nicht in der diskutierten Dimension nötig.

Diess hat sich daher auch nicht gescheut, die Probleme zu benennen und die aktuelle Situation vor Vertretern zahlreicher Energieerzeuger und Netzbetreiber zu hinterfragen. Denn bei der V2G-Lösung sind auch die Netzkosten entscheidend, die Diess für Deutschland kritisiert (und die in Österreich ähnlich hoch sind). „In Frankreich betragen die Netzkosten 4 Cent pro kWh, in Deutschland 10 Cent", so Diess. Als Grund macht er die Anzahl der Netzbetreiber fest. In Frankreich ist es einer, in Deutschland über 800. Auch in Österreich sind wir übrigens dreistellig. Diese kleinteilige Struktur sei zu teuer, stellt Diess klar.  Zwar würden die Unternehmen reguliert und kontrolliert, in ihren jeweiligen Gebieten seien sie aber dennoch natürliche Monopolisten.

Netzbetreiber werden sich nicht wegrationalisieren

Doch Österreichs Energie als Verband der Energiewirtschaft trifft sich natürlich nicht, um ihre Mitglieder wegzurationalisieren, sondern um die Herausforderungen der Energiewende zu gestalten. Und diese Aufgaben sind gewaltig: Versorgungssicherheit gewährleisten, Energie leistbar halten und gleichzeitig das gesamte System dekarbonisieren, digitalisieren und dezentralisieren. Diese Transformation ist noch deutlich größer als jene der Automobilindustrie. 

Meinung: Mehr zur Sektorenkopplung

Wie in der Autobranche kommen neuen Player, Lösungen und Geschäftsmodelle auf den Markt und treten mit den etablierten Anbietern in Konkurrenz. Sowohl Energie- als auch Automobilwirtschaft werden in zehn Jahren völlig anders aussehen. Etablierte Unternehmen können die Transformation gemeinsam mit der Politik verlangsamen und bestehende Geschäftsmodelle noch eine Zeit lang schützen. Aufhalten können sie den Wandel nicht.

Die Erkenntnis: Die Branchen und Sektoren wachsen zusammen. Das Auto wird zum Teil des Energiesystems. Die entscheidende Frage lautet: Wer macht zukünftig das große Geschäft und wer profitiert noch davon: Energieerzeuger, Netzbetreiber, Energiegemeinschaften, Speicheranbieter, Autohersteller oder neue Stromhändler, die eher aus dem Autobereich kommen, wie eben The Mobility House oder auch Moon aus Österreich? Und für die Kernbranche relevant: Welche Rolle spielt das Autohaus als Verkäufer der „Hardware“ und als Berater und Vermittler in diesem Bereich. Zumindest hätten die Kfz-Betriebe einen Startvorteil als erster Ansprechpartner beim Auto.

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