Obwohl die Kfz-Branche mitten im Wandel steht, hält man in vielen Betrieben an Abläufen fest, die längst niemandem mehr nützen. Während draußen Kunden digital vergleichen, buchen und entscheiden, tun Unternehmer so, als wäre die Welt stehen geblieben. Sie verteidigen Routinen, die ihnen Sicherheit geben, aber Kunden vertreiben. Und wer heute noch glaubt, Abwarten sei eine Strategie, hat schon verloren.
Digital gewinnt
Ein Kunde mit einer Warnmeldung landet in Warteschleifen oder bei einem Bot, wird weitergereicht, bekommt einen Termin in drei Wochen. Er fühlt sich nicht ernst genommen. Ein Klick später ist er bei einem Betrieb, der ihn digital eincheckt, transparent informiert und respektiert. Dieser Kunde kommt nie zurück. Nicht wegen schlechter Reparatur, sondern schlechter Haltung. Das eigentliche Problem ist nicht der komplizierte Kunde, sondern der bequeme Betrieb!
Zeit ist die härteste Währung. Immer noch erwarten viele Werkstätten, dass Menschen ihr Auto selbst bringen, sich freinehmen, warten, organisieren. Ein Betrieb sagt: „Wir können Ihnen einen Termin frühestens für übermorgen geben.“ Ein anderer sagt: „Wir holen das Auto heute Abend ab.“ Der Unterschied ist nicht Service – es ist Zukunft. Wer die Zeit seiner Kunden verschwendet, verschwendet seine eigene Zukunft gleich mit.
Fachkräftemangel? Fehlende Führung!
Noch fataler ist vielerorts der Umgang mit Mitarbeitern. Autoritäre Chefs, fehlende Kommunikation, null Entwicklung. Die besten Leute gehen dorthin, wo man sie sieht, hört, fördert. Der Rest bleibt zurück und wundert sich über „Fachkräftemangel“. In Wahrheit fehlt nicht Personal, es fehlt an Führung. Ein Unternehmen, das seine Leute wie austauschbare Teile behandelt, wird irgendwann ohne Teile dastehen.
Loslassen ist kein Risiko, Festhalten dagegen schon. Loslassen heißt gewinnen. Es heißt, die Komfort-zone zu verlassen, bevor sie zur Gefahrenzone wird. Die Zukunft belohnt nicht die Beharrlichen, sondern die Beweglichen. Nicht die Bewahrer, sondern die Erneuerer. Wer heute noch glaubt, das alte Geschäftsmodell würde sich irgendwie retten lassen, irrt. Wer festhält, hält nicht an Stabilität fest – er hält an der Illusion fest, dass das Gestern zurückkommt, dass man Veränderung aussitzen kann. Die Realität ist vielmehr: Jeder Betrieb, der nicht loslässt, wird losgelassen. Von seinen Kunden. Von seinen Mitarbeitern. Vom Markt.
Hans Bachinger
Mag. Hans Bachinger ist Gründer und Geschäftsführer der Grazer Unternehmensberatung MiV–Menschen im Vertrieb GmbH, welche sich auf Recruiting, Training, Coaching und Consulting ausschließlich für den Bereich Vertrieb und Verkauf fokussiert.
