A n welchen Schnittstellen wird KI künftig die Prozesse der Fahrzeuglogistik verändern oder hat es das schon getan? Antwort darauf gibt CEO Johannes A. Hödlmayr: „Künftig sicher alle Prozesse zur Verarbeitung großer Mengen von Echtzeitdaten, das sehen wir heute schon. Bei unserem Geschäft geht es natürlich um Disposition, alles, was mit Transport zu tun hat, um das Thema ,Estimated Time of Arrival‘ (voraussichtliche Ankunftszeit wie in der Fliegerei), wobei das noch besser werden muss.“
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Grob gehe es auch bei den Themen Kapazitätsplanung: „Fläche bzw. Standort bezeichnen wir als Compound, alles, was mit dem Compound Management zu tun hat, und Schadenserkennung. AI kann aber auch Prozesse zur optimalen Auslastung unserer Lkws unterstützen sowie in weiterer Folge auch beim Bahntransport. Es geht zunächst um die richtige Basis, um mit AI-gestützten Tools aufzusetzen. Die Ziele sind Umdisponierung, Leerfahrtreduktion sowie Engpässe frühzeitiger vorhersagen zu können. Da gibt es Potenzial – ebenso über die schon angesprochene Schadenserkennung hinaus – die Qualitätskontrolle generell: Optimierungsmöglichkeiten, z. B. durch Nutzung AI-gestützter Bilderkennung, gibt es ja schon!“
Grundsätzliche Fragen mitdenken
Wie weit so ein Tool die Einrichtung oder Auflassung von Logistikstandorten unterstützt, erklärt Hödlmayr so: „Unser Unternehmen konzipiert schon seit einigen Jahren eine Netzwerkstruktur: Die hat eine physische, aber auch eine technologische Seite. Dabei müssen wir ganz konkrete grundsätzliche Fragen mitdenken, wie zum Beispiel, wo neue Fahrzeugströme entstehen: durch Werke veränderte Produktionsauslastung oder Kapazitäten, aber auch durch Importe an Hafenanlagen, wo dann zusätzliche Lager- oder PDI-Kapazitäten erforderlich sind. Für ein flexibles Netzwerk müssen wir langfristige Investitionen mit bedenken.“
Die Standorte würden ihre Fähigkeit, rasch auf die Marktveränderungen zu reagieren, künftig immer mehr und besser brauchen können. Denn es kämen weitere Fragen noch dazu, wie die OEMs auch ihre Strategien veränderten, aber auch, was das Thema Händlerstruktur angehe.
Hauptstandbein Händlerdistribution
Welche Rolle aktuell die Verkehrsträger Lkw, Bahn und Schiff, welche vielleicht auch Sonderformen wie Einzelfahrzeugtransport, Überstellung und Flugzeugfracht spielten, erläutert Hödlmayr so: „Also ich glaube, mit großer Sicherheit sagen zu können, dass der Lkw in unserer Branche immer der zentrale Verkehrsträger bleiben wird. Wieso? Weil ja unser Hauptstandbein Händlerdistribution und die Feinverteilung sind. Zukunftsthema – aus wirtschaftlichen, aber auch ökologischen Gründen – ist ein Konzept in Kombination mit dem Bahntransport, mit dem wir in der Vergangenheit bereits Erfahrungen gesammelt haben: Ideale Voraussetzung dafür sind längere Distanzen und ein gewisses Fahrzeugvolumen. Also: Auf langen Strecken hohe Volumina auf die Bahn und anschließend mittels Lkw die Feinverteilung bzw. Distribution Richtung Händler oder Endkunde, wer immer der ist.“
Schifftransporte spielen aus seiner Sicht im Export, bei internationalen Transporten eine Rolle, „da sehen wir ja auch die Häfen, die für uns in unserem Netzwerk relevant sind“. Auf dem Binnenschiff seien sie jetzt sehr überschaubar. „Einzelüberstellungen via Lkw sind Spezialtransporte im Premiumsegment, zum Beispiel bei Prototypen: Für uns eine nochmalige Spezialisierung unserer Spezialisierung, bei der es nicht nur um ein Premiumprodukt, sondern zum Beispiel um den Flotten- oder Eventbereich geht. Aber Flugzeugüberstellungen sind nicht unser Segment. Auch die abnehmenden Fertigungs- bzw. Transportvolumina einiger Fahrzeugwerke sind ein Thema.“
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„Wichtig, wie beim Compound und unserem Gesamtgeschäft, ist eine schnellere und noch flexiblere Attitüde sowie stärkere Diversifizierung. Uns geht es nicht nur um den Transport von A nach B, von einem Werk zu irgendeinem Zielmarkt, sondern um das, was wir als Unternehmen auch schon über Jahrzehnte in der Praxis entwickelt haben: um die zusätzlichen Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um Remarketing, Fahrzeugumbauten, Endkundenauslieferungen und Flottenservices.“ Dabei gewännen internationale Netzwerke und der vorhin besprochene multimodale Gedanke der Diversifizierung mit mehreren Säulen an Bedeutung. Volumina könnten, auch innerhalb von Regionen, schwanken. Jetzt werde es auch wieder interessant bei den Auslieferungen an die Händler.
Veränderungen durch Agenturvertrieb
Auch die Umstellung einzelner Marken auf Agenturvertrieb und die Entwicklung neuer Logistik habe differenziert betrachtet auf prozessualer Ebene viel verändert: „Die Fahrzeuge bleiben grundsätzlich länger beim Hersteller als in der Vergangenheit. Dadurch ergeben sich auch neue Notwendigkeiten, zum Beispiel mehr Transparenz. Mit „Tracking & Tracing“ stellen wir in Echtzeit dar, wo sich das benötigte Fahrzeug befindet.“ Teilweise seien kurzfristige Umlagerungen notwendig. „Zwischenlagerungen verändern unser Setup, weil einfach mehr Lagerkapazität als in der Vergangenheit erforderlich ist“, so Hödlmayr.