Es war einmal mehr ein sehr erfolgreicher Tag der OÖ Kfz-Wirtschaft: sehr guter Besuch, interessante Vorträge, hochwertige Ausstellung und vor allem ein toller Austausch. Für den zweiten Teil des Nachmittags war nicht weniger als die „Revolution im Autohandel“ angekündigt: „Wie Autohäuser 2026 unabhängiger von Fahrzeugbörsen werden.“ Der Vortragende, Besitzer einer Agentur in Deutschland, hat dabei tatsächlich zahlreiche praxisnahe Lösungen und Handlungsempfehlungen für die Verbesserung der Händler-eigenen Website gebracht. Hier ist Potenzial und Bedarf gegeben, danke dafür.
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Über einige Zeit handelte es sich allerdings um einen Werbevortrag für Google Vehicle Ads, einer speziellen Werbeform für Fahrzeug-Angebote, als Wettbewerb zu den etablierten Fahrzeugbörsen. Denn die Agentur ist offizieller Anbieter für Google Vehicle Ads in Deutschland. Sowohl die Bewerbung wie auch der Wettbewerb sind natürlich absolut legitim. Befremdlich war hingegen die Wertung von bestehenden Börsen.
Unüblicher Wettbewerbs-Vergleich
Dabei wurde explizit von der Nutzung bestimmter Produkte einer österreichischen Fahrzeugbörse abgeraten. So etwas ist in Österreich unüblich. Das wäre so, als würde Bosch im Vortrag von der Nutzung bestimmter Diagnoselösungen von AVL DiTest oder Launch abraten. Undenkbar. In Österreich gilt vielmehr „leben und leben lassen“ sowie ein Herausstreichen der eigenen Vorteile, ohne das Schlechtreden der Wettbewerber.
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Die Kritik ist darüber hinaus seltsam, weil die Agentur noch gar keine andere Lösung anbieten kann. In Deutschland befindet sich Google Vehicle Ads offenbar noch in der Closed Beta-Phase. Sofern wir das richtig verstanden haben, müssen sich Autohändler bewerben, um das System über eine Agentur nutzen zu können. In Österreich wird – laut Aussage des Vortragenden mit Stand Februar – noch gar nicht angeboten, Umsetzung offen. Erfolgszahlen, die präsentiert werden, beziehen sich also auf eine noch exklusive Nutzer-Gruppe. Wie sich Preise und Anbieterzahl später entwickeln, ist ungewiss.
Europa vs. Silicon Valley
Nun möchten wir gar nicht anzweifeln, dass Google-Suchen und KI-Lösungen weiter an Bedeutung gewinnen werden und sich jeder Unternehmer damit auseinander setzen muss. Wir müssen als europäische Unternehmer allerdings entscheiden, wie wir damit umgehen. Ob wir die Marketing-Budgets zukünftig ausschließlich ins Silicon Valley überweisen oder auch österreichische und europäische Lösungen unterstützen. Klar, auch wir als Verlag müssen längst mit SEO arbeiten, um bei Google gut gefunden zu werden und wir nutzen auch Social-Media wie LinkedIn für unseren Traffic. Dabei stehen wir – bei den Endkundenmedien stärker als bei Fach- und Branchenmedien – in starker Konkurrenz zu Online-Kampagnen, die nahezu komplett an unserer und damit der europäischen Wertschöpfung vorbeiführen.
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Das soll keine Verteidigung der Fahrzeugbörsen in Deutschland und Österreich sein, die wir, im Gegensatz zum Vortragenden, auch nicht pauschal bewerten wollen. Doch jeder Autohändler sollte sich bewusst dafür entscheiden, ob er regionale Anbieter mit beratendem Außendienst oder die US-Tech-Giganten unterstützt. Wir sind ohnehin bereits viel zu stark davon abhängig.
Auch ich nutze (zu) viele digitale US-Lösungen und unterliege manchmal der Verlockung der Online-Bestellung mit Folgetag-Zustellung. Dieses Thema kann nicht dogmatisch gelöst werden. Doch generell sollten wir – egal ob beruflich oder privat – die regionale Wertschöpfung im Auge behalten, wenn schon nicht in der Produktion, dann zumindest im Handel und der Dienstleistung.
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