Sie haben im Februar angekündigt, dass es bei den Marken des Volkswagen Konzerns einheitliche, kürzere Serviceverträge geben wird. Was sind die Gründe dafür?

Mag. Wolfgang Wurm: Das Wichtigste für uns war, dass die Prozesse und Abläufe einfacher werden. In den vergangenen Jahren hat nicht nur der Staat bei den Regularien übertrieben, sondern auch wir – vor allem nach der Dieselthematik. Dabei ist der Servicebereich so wichtig für das Geschäft: Der Neuwagenverkauf macht zwar 80 Prozent des Umsatzes aus, doch 80 Prozent der Erträge kommen aus dem Aftersales. 

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Wie weit sind Sie mit der Umstellung?

Wurm: Wir sind mit allen 6 Marken und Kollegen aus Wolfsburg an einem Tisch gesessen. Unser Ziel waren die sinnvolle Reduktion der Standards und die Vereinfachung der Prozesse. Das war nicht leicht, aber im Herbst sollen die neuen Serviceverträge zum Unterschreiben vorgelegt werden. Vorher werden wie üblich die Verträge mit dem Händlerverband abgestimmt. Wir haben im Gegensatz zu den anderen Ländern in Österreich ohnehin Vorteile, da wir zum Beispiel die Schulung der Techniker schon vereinheitlicht haben.

Gleichzeitig arbeiten Sie auch noch an ganz anderen Prozessen: Worum geht es?

Wurm: Zum Beispiel arbeiten wir mit Hochdruck auch am Gewährleistungsprozess. Hier haben wir viel kontrolliert, aber diesen Prozess kann man mit der Künstlichen Intelligenz vereinfachen und schneller machen, indem der Techniker alle Schritte mit dem Diagnosegerät fotografiert. Die KI gibt das dann frei. 

Das bringt eine Zeitersparnis im Betrieb … 

Wurm: Wenn es klappt, haben die Serviceberater, die viel Zeit mit den Freigaben verbringen, mehr wichtige und produktive Zeit für die Kunden. Ein zweiter Vorteil ist, dass die Arbeit schneller abläuft: Die Lohnkosten steigen, das muss der Kunde zahlen. Es ist oft schwer für den Betrieb, dass es sich kalkulatorisch ausgeht, ohne dass die Qualität leidet.

Ein wichtiger Schritt, um Kunden länger in der Vertragswerkstatt zu halten, sind die Quality Parts: Wie ist der aktuelle Stand?

Wurm: Das vorrangige Ziel war, preiswürdiger zu werden. Wir haben vor 3 Jahren klein begonnen – und alles mit den Herstellern selbst verhandeln müssen. Mittlerweile bieten wir bei Quality Parts 19.600 Teile von 21 Marken an, die auch ans Band in den Werken liefern. Gedacht sind diese Teile vor allem für Kunden mit Autos, die 8 Jahre sind – oder noch älter. So kann man die Loyalität der Kunden steigern und sie im Idealfall bis zu ihrem nächsten Auto ­begleiten. 

Kann man diese Zahl noch steigern?

Wurm: Unser Ziel sind bis zu 30.000 Teile, 45 Prozent kommen aus dem Bereich Bremsen und Verschleißteile. Wichtig ist, dass wir ein möglichst hohes Volumen erreichen, da wir so bessere Preise bekommen. Auch beim Aufbereiten von Gebrauchtwagen verwenden die Betriebe Quality Parts. Im 1. Quartal 2026 haben wir um 25 Prozent mehr Teile verkauft als in den ersten 3 Monaten des Vorjahres.

Mit der 10-Jahres-Garantie für alle neuen Seat haben Sie alle überrascht: Wie ­bewährt sich diese lange Garantie?

Wurm: Sie wurde sehr gut angenommen. Seat ist eine preissensible Marke, und die europaweite Werksgarantie wird sich auch auf die Restwerte positiv auswirken. Dass die neue Regelung bereits wirkt, zeigt sich heuer auch am Marktanteil, wo Österreich europaweit Spitze ist: 5 Prozent hat Seat nirgendwo in Europa, nicht einmal in Spanien. In der 10-Jahres-Garantie können die Kunden die Mobilität sorgenfrei nutzen. Diese 10 Jahre sind auch eine lange Zeit für die Händler: Nach dem Ende des Leasings können sie die Kunden auf ein neues Fahrzeug ansprechen und bekommen auch ein Auto für den Gebrauchtwagenplatz, das noch einige Jahre Garantie hat und wieder in die Werkstätte kommt.

Wie wichtig ist das große Servicenetz?

Wurm: Das ist Teil unseres Erfolgsmodells. Wir haben ein Netz von 320 Betrieben, und unser Ziel ist es, dieses weiterhin so dicht zu halten. Gleichzeitig haben wir aber auch die Verpflichtung, dass unsere Partner vom Service und vom Verkauf des Zubehörs leben können. •