In der jüngsten Kampagne eines mit seinen Werbespots in diversen Medien omnipräsenten Möbelhauses schickt es seine zu Zwergen geschrumpfte „Werbefamilie“ mittels obskurem Miniatur-Luftfahrzeug auf die Reise: unter anderem zu einer Dame, die gerade in einer Verkaufsverhandlung mit einem Fahrzeughändler steht. Klischeehaft suggeriert dieser Spot, dass der windige Gebrauchtwagenhändler seine Kundin zum Kauf eines Fahrzeugs animieren will, bei dem „abgefahrene Reifen die hohe Kilometerzahl ausgleichen“. Das Möbel-Familienoberhaupt am Steuer des Cockpits hat einen „guten“ Ratschlag für die Kundin parat: „Schmeiß Dein Geld nicht für das Auto raus – mach’s Dir lieber schön zuhaus“. Erleuchtet von dieser Botschaft bricht sie das Verkaufsgespräch ab und entscheidet sich für „schöneres“ Wohnen…

Steht uns hier also ein „Handelskrieg“ unter Händlern bevor? Scheinbar hat die Möbelkette einen seltsamen Sinneswandel durchlebt. Denn vor Jahren ließ sie sich ganz andere Strategien einfallen, um aufzufallen, wie wir beim Durchstöbern unseres Archives feststellten: Im Rahmen einer „Jubiläumsaktion“ des Möbelhauses zu seinem 65-jährigen Bestehen warb man mit lukrativen Prämien: Je nach Umsatz gab es fette Geschenke, zwei davon auch aus der Kfz-Branche. So wurde damals bei einem Einkauf über 10.000 € ein Peugeot-Roller im Wert von 1.199 € verschenkt, ab 50.000 € Einkaufswert war es gar ein Fiat 500 1.2 69 Pop. Laut dem damaligen Unternehmenssprecher hätte man die Fahrzeuge nicht beim Importeur bezogen, sondern diese seien regulär bei einem Händler gekauft worden.

Aug‘ um Aug‘ statt Hand in Hand: Ob diese Vorgangsweise in Krisenzeiten hilft, darf bezweifelt werden. Während vergleichende Werbung in Branchen durchaus erlaubt ist und die Konkurrenz zum Wohle der Kunden beleben kann, scheint es jetzt auch en vogue zu sein, andere Branchen ins Zwielicht zu rücken, um zusätzlichen Umsatz auf deren Kosten zu erzielen. Die Strategie, dass innerhalb der Handelssparte große Mitglieder anderen „in die Suppe spucken“, lässt vermuten, wie es um die derzeitige Kauflust vieler Privatkunden – nicht nur der Autobranche – bestellt ist:

O tempora, o mores: Was für Zeiten, was für Sitten!

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