A&W: Auch wenn die Zahl der Kfz-Diebstähle seit einigen Jahren abnimmt, ist man in Österreich keineswegs davor gefeit, dass sein Auto gestohlen wird. Wie lauten die aktuellen Zahlen?

Andreas Köck: Als die SOKO KFZ 2009 gegründet wurde, wurden in Österreich pro Jahr knapp 10.000 Fahrzeuge gestohlen, also Pkws, Lkws, Motorräder und andere Kraftfahrzeuge. Diese Zahl ist auf weniger als ein Fünftel zurückgegangen. Im Vergleich zu 2024, als 1.631 Kraftfahrzeuge entfremdet wurden, kam es im Vorjahr zu einem leichten Anstieg. In diesen Zahlen sind aber nicht nur klassische Diebstähle, sondern auch Betrugsdelikte enthalten. Von den 1.631 im Jahr 2024 entfremdeten Fahrzeugen waren 261 Sicherstellungen, also 16 Prozent. Von den klassischen Pkw-Diebstählen wurden mehr als 25 Prozent wieder aufgefunden.  

Welche Autos werden am häufigsten gestohlen?

Köck: Das werde ich oft gefragt, und die Antwort ist: „Gestohlen wird, was der Markt verlangt.“ Es sind immer wieder spezielle Typen. Seit einigen Jahren ist Toyota massiv betroffen, und zwar europaweit. In Österreich hatten wir einige Ermittlungserfolge, sodass sich die Toyota-Diebstähle derzeit in Grenzen halten. 

Wie viele Elektroautos wurden im Vorjahr gestohlen – und welche?

Köck: Die Zahl hält sich noch in engen Grenzen: Voriges Jahr wurden in Österreich 5 Elektroautos gestohlen: 2 Hyundai Ioniq 5, ein BMW iX3, ein BMW i4 und ein Nissan Leaf. Der iX3 wurde wieder gefunden. Heuer wurden bis Anfang März 3 Elektroautos in Österreich gestohlen, allesamt Ioniq 5, von denen wir 2 sichergestellt haben – je einen in Rumänien und in Bulgarien.

Und wie sieht es bei Hybridfahrzeugen aus?

Köck: Diese werden in ganz Europa gestohlen und gehen Richtung Russland, wo es derzeit ja keinen Neuwagen-Import und auch keine Ersatzteile gibt, oder in die Ukraine. Wir hatten eine Tätergruppe aus der Republik Moldau, die bei Toyota RAV4 und C-HR die Plug-in-Batterie unter der Sitzbank ausgebaut hat, die 50 bis 60 Kilo wiegt. Zwei Täter sind in Haft, wir konnten ihnen 15 Diebstähle nachweisen. Dabei weiß man, dass solche Batterien gar nicht in Autos gebraucht werden, weil sie ohnehin ewig lange halten. Daher gehen wir davon aus, dass diese Batterien anderweitig verwendet werden.

Wie darf man sich einen Autodiebstahl vorstellen?

Köck: Die Täter müssen 2 Angriffe starten: Man muss ins Fahrzeug reinkommen und man muss es in Betrieb nehmen. Die Fahrzeuge sind ja mit dem CAN-Bus-System komplett vernetzt und es gibt unterschiedliche Methoden, sie zu öffnen, etwa durch Andocken bei den Scheinwerfern oder indem man über die Kotflügel zu einem OBD-Stecker kommt. In Osteuropa wurden Tools entwickelt, mit denen man die Autos dann über Knopfdruck öffnen kann. Das erfolgt über das Auslesen der Schlüssel-Codierung. Diese Systeme kosten von einigen hundert Euro aufwärts bis 30.000 oder 40.000 Euro. Das System ist kinderleicht zu bedienen.

Meist sind solche Diebstähle also nicht spontan, sondern von langer Hand geplant, oder?

Köck: Ja: Wie ich bereits erwähnt habe, sind vorwiegend Fahrzeuge betroffen, die der Markt verlangt. Sieht ein Mitglied der Tätergruppe ein solches, wird das Fahrzeug nicht gleich gestohlen, sondern ein GPS-Sender am Fahrzeug platziert. Wir hatten zum Beispiel einen Fall, wo ein Toyota Land Cruiser in Wien mit einem solchen Tracker versehen und dann später in Niederösterreich gestohlen wurde, als die Täter einen Abnehmer dafür hatten. Die Täter blockieren oder durchtrennen dann das Kabel zur Antenne, mit der das Fahrzeug geortet werden kann, oder stecken diesen Zugang ab. Oft wird dafür sogar der Dachhimmel durchschnitten. Natürlich wird auch das e-Call-System ausgeschaltet. Als wir eine polnische Tätergruppe erwischt haben, fanden wir eine Liste mit 130 Autos, genau geordnet nach Hersteller, Modell, Farbe und sogar spezieller Ausstattung und dem jeweiligen Standort. 30 Fahrzeuge auf dieser Liste waren von den Tätern bereits „abgearbeitet“.

In Österreich waren auch Autohändler von Diebstählen betroffen. Oft waren die Täter nicht an den Fahrzeugen, sondern nur an Teilen interessiert.

Köck: Wenn es um Räder geht, gehen die Täter manchmal besonders brutal vor: Manchmal wird auch mit einem Spreizer, wie ihn auch die Feuerwehren verwenden, der Kofferraum geöffnet, um zur Sicherungsnabe zu kommen, damit sie die Räder herunterschrauben können. Da die Fahrzeuge dann ohne Räder auf den Bremsscheiben stehen, ist der Schaden am Fahrzeug meist höher als der Wert des gestohlenen Gutes. Bei Autos des Volkswagen Konzerns oder bei BMW gibt es auch den Diebstahl der Multimedia-Geräte: Hier wird fachgerecht das komplette Armaturenbrett oder Dashboard ausgebaut und am Ersatzteilemarkt verkauft. Teile, die in Europa aus Autos gestohlen wurden, hat man sogar in China entdeckt.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote bei den Teilediebstählen?

Köck: Das hängt davon ab, ob das Land oder der Hersteller dem Invex-Verbund angehört. Österreich ist Mitglied, sodass bei jeder Anzeige alle Daten nicht nur in der nationalen Fahndung landen, sondern auch in der Schengen-Fahndung und am Interpol-Server. Auch der Hersteller bekommt die Daten in sein System: Wenn der gestohlene Bauteil dann irgendwo angedockt wird, schlägt das System Alarm. Interpol verständigt das Land, wo der Teil angedockt wurde, aber auch jenes, wo der Teil gestohlen wurde.

Wie viele der gestohlenen Autos werden zerlegt?

Köck: Wir gehen davon aus, dass es 70 bis 80 Prozent sind. Die Teile kommen auch in Westeuropa über offizielle Plattformen von lokalen Anbietern in den Handel. Genau der gleiche Teil wird in Deutschland, Frankreich oder Belgien über Plattformen angeboten.

Und was passiert, wenn jemand diesen Teil kaufen will?

Köck: Dann heißt es meist, dass der Teil gerade unterwegs ist und dass man sich zu einer gewissen Zeit irgendwo treffen soll. Der Teil wird aus einem Kastenwagen übergeben. Und dann kann es passieren, dass der Käufer beim Einbau in der Werkstätte eine böse Überraschung erlebt, weil die Polizei vor der Tür steht.