Man hat‘s nicht leicht als Automobilmesse dieser Tage! Wenn die Veranstalter der IAA, die heuer zum zweiten Mal nach neuem Konzept in München stattfand, glaubten, nur diverse Abseil- und Autoversenken-Aktionen der Klima-Aktivisten und einige Fahrrad-Demos befürchten zu müssen, hatten sie die Rechnung ohne mindestens zwei weitere Wirte gemacht.

Da wären einmal die Japaner, die sich akkurat auf der IAA nicht für Geld und gute Worte mehr blicken lassen, nachdem sie sich früher standgrößenmäßig schön vorführen haben lassen von den deutschen Hausherren. (Löbliche Ausnahme war allerdings Honda, die Testfahrten anboten.)

Aber man tröste sich und warte ein paar Wochen, dann sieht man wieder Söhne und Töchter Nippons – in Lederhosen auf der „Wiesn“ nämlich. Oder man hat sich sein Maß fernöstliches Flair von den zahlreich vertretenen Abgesandten Chinas geholt, die wiederum sehr selbstbewusst automotive Erzeugnisse in München präsentierten.

Und dann wären da noch die Puristen, denen die Messe im „grün-rot regierten München“ (mehrfache Anmerkung meiner Social-Media-Blase) von vornherein ein Dorn im Auge war. Denen es zu wenig „ultra“ sein dürfte, dass die Messe aus der Halle hinaus in die Innenstadt hinein wirken will, oder dass man sich in Richtung Mobilität geöffnet und Fahrradherstellern ebenso eine Bühne geboten hat wie einem Münchner Hyperloop-Projekt. (Oder es handelt sich bei den kritischen Geistern in meinem Feed einfach um Frankfurt-Fans, #mainhattan! Außerdem: Hauptsächlich E-Autos, da rümpft der Purist von vornherein die um den Benzinduft gebrachte Nase!

Ich fand es schön und zukunftsträchtig, dass die „neue IAA“ das Auto und andere Mobilitätsformen zu den Menschen bringen will – in einer Zeit, in der regelmäßig gefordert wird, Städte von Autos zu bereinigen. Damit bin ich nicht allein, die Besucherbilanz gibt den Veranstaltern jedenfalls Recht.

Auch wenn sich so mancher Fachbesucher der Exklusivität des Kontakts mit dem Aussteller beraubt sah: Etwas Besseres als dieses "Straßenfest mit Autos", das vergangene Woche in München gefeiert wurde, kann uns als Kfz-Branche gar nicht passieren.

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