Der fabrikatsgebundene Fahrzeughandel sehe sich zurzeit in besonderem Maße mit den Plänen der Hersteller und Importeure zur Neuregelung des Vertriebs konfrontiert. Ganz gleich, wie die Modelle aussähen – ob Fortführung des Vertragshändlersystems oder Umstellung auf ein Agentursystem: Es zeichne sich ab, dass die Hersteller und Importeure eine Verschlechterung der Konditionen für den Handel durchsetzen wollen.
Dies treffe den Handel in einer schwierigen Lage, weil die Nachfrage nach neuen Pkw massiv rückläufig sei und es zum Beispiel an bezahlbaren E-Fahrzeugen im Klein- und Kompaktwagensegment fehle. Das werde sich im Lauf des Jahres noch deutlicher in den Zulassungszahlen widerspiegeln. Eins sei jedoch klar: Ohne die Autohändler und Kfz-Betriebe werde sich die Transformation hin zu alternativen Antriebsarten nicht umsetzen lassen. Das betonten auch die Hersteller und Importeure bei passender Gelegenheit immer wieder gern. Dann sollten sie diesen schönen Worten auch Taten folgen lassen, wie Joswig unterstreicht. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Gewinnmaximierung der Hersteller zu Lasten des Handels gehe. „Stattdessen müssen die Händler angemessen an der Wertschöpfungskette beteiligt werden.“
Laut dem ZDK suggerierten vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veröffentlichte positiven Zulassungszahlen im Juli 2023 einen stabilen und bis zum Jahresende tragenden Trend, der aber auf Basis der Auftragseingänge so nicht haltbar sei.
Denn die Auftragseingänge gehen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich teilweise dramatisch zurück, wie auch in Gesprächen mit österreichischen Autohausbetreibern bestätigt wird.
Eine Kombination aus verringerter Marge und deutlich geringerem Neuwagen-Absatz würde auch den heimischen Handel noch stärker unter Druck setzen. Schon jetzt sprechen Händler von gefüllten Lagern mit Fahrzeugen, die sich aufgrund der momentan vorherrschenden Zurückhaltung vor allem bei durch die Teuerung in allen Bereichen verunsicherten Privatkunden nicht verkaufen ließen. Herbstliche „Rabattschlachten“ könnten daher bald bevorstehen. Gleichzeitig sinken auch die Preise für Gebrauchtwagen. Von glänzenden Gewinnen dürften viele Händler auch hierzulande angesichts dieser ungünstigen Parameter nur träumen. Bräche das derzeit boomende Werkstattgeschäft, das für viele Betriebe derzeit den „Fels in der Brandung“ bildet, weg, dürfte es wohl ganz düster aussehen.
Man darf also gespannt sein, in welcher Form die Hersteller dem Handel in den derzeit herrschenden turbulenten Zeiten entgegenkommen werden.
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