„Eing'sperrt g’hörens“ ist derzeit die Reaktion der großen Regierungspartei auf die Aktivitäten der Klimaaktivisten und damit auch eine willkommene Ablenkung der eigenen Versäumnisse. Egal, wie man zu den Aktionen steht, Fakt ist – und hier haben die Klimakleber recht: Österreich ist sowohl bei den Klimazielen wie auch bei der Energiewende hinter Plan. Und dieser Plan scheint nicht sehr konsequent verfolgt zu werden, so fehlt etwa seit 2020 ein Klimaschutzgesetz, das Verantwortlichkeiten, Pfade und Ziele genau definiert. 

Da hilft's nix, wenn man die Klimakleber einsperrt, da hilft's auch nix, wenn man übers Bargeld redet, während Südösterreich überschwemmt wird. Und es hilft auch nix, wenn man sich den „grünen Verbrenner“ wünscht. Dabei hätte der Kanzler das (mittlerweile fast jährliche) tragische Momentum der Unwetterkatastrophen nutzen können, um den Klimaschutz in den Mittelpunkt zu rücken. 

Lassen wir die massiv steigenden Kosten der Klimakatastrophe – durch direkte Schäden, durch staatliche Hilfen sowie über laufend steigende Versicherungsbeiträge – beiseite. Lassen wir beiseite, dass Klimaschutz nur global gelöst werden kann, mit Ländern wie Österreich als Vorreiter, dass Klimaschutz auch ein Teil des Generationenvertrages ist und damit eine Verpflichtung gegenüber unseren Kindern. Und lassen wir auch beiseite, dass es um globale Solidarität geht.

Sehen wir uns lediglich an, warum es für das kleine Österreich notwendig ist, seine Klimaziele zu erreichen und die Energiewende konsequent voranzutreiben. Dabei gilt es:

  • CO2-Strafzahlungen aus reinen Budget-Interessen so klein wie möglich zu halten oder überhaupt zu vermeiden, um diese Beträge für Zukunftsinvestitionen zur Verfügung zu haben.
  • Klimaziele RECHTZEITIG zu erreichen, um nicht später (oder zu spät) radikalere Maßnahmen setzen zu müssen, die dann mit Sicherheit den Verkehr stark treffen und dann tatsächlich die individuelle Mobilität einschränken werden.
  • Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion endlich als Chance für das Land und die Unternehmen zu sehen.

So ist Cleantech ist schon jetzt ein gewaltiger Geschäftszweig, der fast alle Bereiche beeinflussen wird, Tendenz stark steigend. Europa ist hier im Rückstand, China und die USA stark unterwegs. Dabei hätte Österreich als kleines Land die Chance, sich hier stärker zu positionieren. Das gilt quer über alle Branchen, in denen Veränderungen passieren. Und natürlich auch sehr stark für die Autoindustrie. Kleines Beispiel: In der jüngst veröffentlichen Prognose über umgesetzte oder geplante Batterieproduktionen sind 16 europäische Länder vermerkt, in denen bis 2030 Antriebsbatterien produziert werden sollen. Österreich kommt nicht vor. Ein anderes Beispiel sind die Lithium-Vorkommen in Kärnten. Haben Sie dazu schon einen Politiker gehört? Nein, wir träumen ja vom grünen Verbrenner.

CO2-Emissionen als harte Währung
CO2-Reduktion und CO2-Neutralität wird die Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten massiv beeinflussen, die gesamte Lieferkette wird zukünftig bewertet. Unternehmen müssen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten dokumentieren. Sieht man sich etwa das Engagement von SAP bei der Bilanzierung von CO2 in der Wertschöpfungskette an, weiß man, wohin die Reise geht. CO2-Emissionen bzw. deren Reduktion und Vermeidung werden zukünftig eine extrem harte Währung im Geschäft.

Die CO2-Bilanz eines Landes und der Anteil erneuerbarer Energie werden entscheidende Standortfaktoren. Österreich hat durch den hohen Anteil an Wasserkraft einzigartige Voraussetzungen, CO2-neutrale, saubere und auch sehr günstige Energie für Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Denn mittelfristig wird erneuerbare Energie die günstigste Energie sein, sofern rechtzeitig und klug ausgebaut. 

Um die individuelle Mobilität zu erhalten, um Strafzahlungen zu vermeiden und den Wirtschaftsstandort Österreich attraktiv und zukunftsfit zu machen, müssen die Weichen jetzt gestellt werden. Klimakleber einsperren, sich um Schnitzel, grünen Verbrenner und Bargeld zu kümmern wird nicht reichen für eine "normale" Zukunft.

 

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