Dass sich die österreichische Bundespolitik bereits mitten im Wahlkampf für die anstehende Nationalratswahl im Herbst 2024 befindet, steht spätestens seit der Normalitätsdebatte zwischen ÖVP und FPÖ fest. Dass diese Debatte allerdings "an den Themen der Menschen völlig vorbei" geht, wurde selbst innerhalb der ÖVP vom Vizepräsidenten des EU-Parlaments, Othmar Karas, festgestellt.
Tatsächlich sieht sich die österreichische Wirtschaft aber mit einer neuen Normalität konfrontiert. Eine Reihe von Krisen – angefangen bei Corona, über die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, den sich verschärfenden Fachkräftemangel bis hin zu den Auswirkungen der Inflation und den damit verbundenen Zinserhöhungen – zwingt die Unternehmen zum oft zitierten "Fahren auf Sicht". Auch für die Konsumentinnen und Konsumenten spitzt sich die Lage weiter zu.
„Das neue Normal für Unternehmen ist die laufende, nie enden wollende Bewältigung neuer, vielschichtiger Krisen und Herausforderungen. Dafür braucht es ein professionelles Risikomanagement und eine sorgfältige Liquiditätsplanung“, fasst Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des bevorrechteten Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform, die Lage in der aktuellen Firmeninsolvenzstatistik zusammen.
Anstatt also über Normalität zu debattieren, wäre die Politik gut beraten, die neue Normalität zu erkennen und bestmöglich darauf zu reagieren, anstatt sich auf Social Media in Kleinkriege mit anderen Parteien zu vertiefen. Denn die Menschen in diesem Land brauchen in Anbetracht der Vielzahl an aktuellen Herausforderungen Politiker, die das Land bestmöglich durch die angesprochenen Krisen manövrieren.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
