Der gepflegte Diskurs, nämlich ohne Untergriffe und Beleidigungen, dafür mit Wertschätzung und in entspannter (Gesprächs-)Atmosphäre, ist eine Seltenheit geworden. Bestes Beispiel dafür ist die Auseinandersetzung mit der E-Mobilität. Die muss immer öfter als persönlicher Reibebaum für diejenigen herhalten, die den elektrifizierten Antrieb aus tiefster Überzeugung verachten. Und da werden dann gerne „Argumente“ ins Treffen geführt, die zwar am Stammtisch vor, während oder nach dem Genuss alkoholhältiger Getränke durchaus Befürworter finden, aber kritisch hinterfragt werden dürfen und auch müssen.
So hört oder liest man vielerorts – leider auch medial verbreitet von ansonsten durchaus vernünftigen Vertretern der schreibenden Zunft – von „Elektroschrott auf Rädern“, einer laut vielen überhaupt gar nicht vorhandenen E-Ladeinfrastruktur oder einem nur rudimentär bestehenden Interesse des Privatkäufers an elektrifizierten Autos. Alles Punkte, über die sich diskutieren lässt, die Sachlichkeit sollte dabei aber nicht auf der Strecke bleiben. Interessant ist auf jeden Fall die Beobachtung, wie einzelne Ereignisse – ein brennendes E-Auto oder ein in Flammen stehendes Frachtschiff oder vielleicht auch nur ein mit leerem Akku liegengebliebenes Fahrzeug – eine Welle der Empörung inklusive Schnappatmung auslösen können und sich die Kritiker über die Maßen in ihren Ansichten bestätigt sehen. So einfach ist es aber natürlich nicht.
Klar ist, dass mit der Einführung von neuen Technologien – die E-Mobilität zählt da aber nicht mehr dazu – auch offene Punkte geklärt und Herausforderungen gemeistert werden müssen. Das ist vielfach bei der E-Mobilität schon geschehen, allerdings geht nicht alles von heute auf morgen, denn allein rechtliche Rahmenbedingungen schieben guten Ansätzen manchmal den einen oder anderen Riegel vor.
Der Weg der E-Autos ist zumindest für Europa vorgezeichnet: Der Verbrenner verlässt den Markt, wenn auch schleichend, und die E-Mobilität wird enorm zulegen. Interessant auch, dass viele „Beobachter“ derzeit „noch keinen Hochlauf“ sehen, obwohl die offiziellen Zulassungsstatistiken eine andere Sprache sprechen. Die Ladeinfrastruktur wird beständig ausgebaut und neue Ladeparks entstehen, die bei weitem nicht ausgelastet sind. Es braucht also niemand Angst zu haben, dass es mit der Aufladung eines E-Auto-Akkus nicht klappen könnte. Bleibt noch das Preisargument, das den Privatkunden abschreckt, und das ist leider gewichtig. Denn das Preisniveau aktueller E-Autos ist definitiv nicht massenmarkttauglich, wird sich aber in den kommenden Jahren zum Positiven wenden. Diesen Hemmschuh offen anzusprechen, dient ebenso der Versachlichung der Debatte. Und das wäre bei dieser, aber auch anderen Themen, durchaus wünschenswert!
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