Von starken Rückgängen bis zum Totaleinbruch beim Privatkunden-Geschäft berichten die heimischen Autohändler, dabei war man nach der Auflösung der Lieferengpässe noch zuversichtlich gewesen. Die Gründe liegen auf der Hand: die Zinsen und damit auch die Finanzierungskosten sind ebenso gestiegen wie die Lebenshaltungskosten der Menschen. Und die Fahrzeuge sind – teilweise erheblich – teurer geworden.
Dabei kommen die Preissteigerungen nicht nur über die Listenpreise: die Jahre vor der Corona-Pandemie war die Hochzeit der Kurzzulassungen, die Preise – quer durch alle Klassen – stark subventioniert und verzerrt. So haben bis kurz vor der Pandemie Kleinwagen (trotz deutlich umfassender Ausstattung und Technologie) nicht viel mehr gekostet als vor 30 Jahren. Wer erinnert sich etwa noch an den Ford Fiesta „Sound“ mit 1 Lenkrad, 3 Türen, 4 Reifen und genau: einem Radio um 129.900 Schilling?
Die extrem flachen Preis-Entwicklungen samt Kurzzulassungs-Schleuderei haben dazu geführt, dass sich jene Konsumenten einen Neuwagen leisten konnten, die davor eher klassische Gebrauchtwagenkäufer waren. Genau dort werden wir auch wieder hin müssen. Dabei stellt die nun kommende Übergangsphase eine gewaltige Herausforderung für die Branche dar, zumal sich zuletzt auch der GW-Markt überhitzt hat: die Preise sind für die vorhandene Nachfrage derzeit zu hoch.
Das Problem trifft aber nicht nur den automotiven Einstieg im Kleinwagen-Segment, auch in der automobilen Kompakt- und unteren Mittelklasse sowie in der dazu passenden sozialen Mittelschicht ist es deutlich enger geworden: zu den Preissteigerungen sind wie erwähnt auch die Zinserhöhungen gekommen und haben Leasing- bzw. Kreditraten für das neue Auto deutlich in die Höhe geschraubt. Dabei wäre eine höhere Auto-Rate noch zu stemmen, gleichzeitig sind aber die Kosten für Miete/Hauskredit, Energie und den Wocheneinkauf deutlich gestiegen. Insgesamt ist der gewünschte Neuwagen damit oft nicht mehr finanzierbar.
Dazu kommt, dass die Menschen vor allem in dieser Schicht – verständlicherweise – ihren Lebensstandard nicht zurückschrauben möchten. Schließlich haben sie weiterhin gut Jobs: Fahrzeug-Klasse und -Ausstattung, Urlaub, Lokalbesuch, alles sollte gleich bleiben. Also warten sie beim Fahrzeugtausch noch ab, vielleicht wird's ja besser. Das Problem wird allerdings größer: Das bestehende Fahrzeug verliert an Wert und der Finanzierungsbedarf fürs nächste neue erhöht sich weiter.
Ein (deutlicher) Rückgang der Fahrzeug- und Finanzierungskosten ist kurzfristig nicht zu erwarten, selbst wenn die nun kommenden China-Marken ihre attraktiveren Preise auch in Europa realisieren können und die europäischen Hersteller ihre Modelle wieder mit Aktionen stützen (müssen).
Bei den Kfz-Betrieben stützt das „Weiterfahren“ momentan das Werkstattgeschäft, aber der Neuzulassungs-Rückstand der Jahre 2020 bis 2022 kommt nun in der Werkstätte an, das Problem setzt sich auch heuer fort.
Die Lösungen sind denkbar schwierig, zumal die Einstiegsfahrzeuge nicht nur teurer sondern teilweise sogar eingestellt worden sind, etwa Ka und Fiesta, um beim Beispiel Ford zu bleiben. Unter 20.000 Euro ist kaum mehr ein Neuwagen zu bekommen. Bis günstige elektrische Modelle nachfolgen, wird es noch ein paar Jahre dauern. Sofern möglich, müssen die Kunden aktiv auf Gebrauchtfahrzeuge hingewiesen werden, oder – aus höheren Fahrzeugklasse – auf kleinere günstigere Modelle, mit allem Feingefühl. Der Vorschlag darf nicht mit finanziellen Gründen argumentiert werden: „Die Kinder fahren eh nimma mit, soviel Ausstattung brauchts nicht, kleiner ist nachhaltiger oder vielleicht auch sportlicher“: je nach Kunde braucht es die richtige Argumentation, um den „Rückschritt“ positiv zu gestalten. In Mehrmarken-Autohäusern kann es auch ein Markenwechsel sein.
Das muss proaktiv erfolgen. Mit ausgiebigen Probefahrten – auch beim Gebrauchtwagen – kann vielleicht der Stammkunde von anderen Modellen überzeugt werden, ehe das bestehende Modell noch ein Jahr weitergefahren wird und die Neuanschaffung in der nächsten Saison noch schwieriger wird.
Übrigens: Damit auch der Betrieb des Fahrzeuges leistbar bleibt, fordert das Autovolksbegehren: Kosten runter! Unterschreiben hilft!
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