Der deutsche Club hat erhoben, dass bei unseren Nachbarn die Neuwagenpreise von 2017 bis 2023 um bis zu 55 Prozent gestiegen seien. Gerade Klein- und Kleinstwagen seien teurer geworden, rechnen die Deutschen vor und kritisieren auch, dass die Hersteller günstige Modellvarianten im Zuge der Nachschubkrise aus dem Sortiment genommen haben, was die Durchschnittspreise weiter befeuert.
Auch vermutet man beim deutschen Club, dass die Hersteller von Elektroautos die staatlichen Prämien von Anfang an einpreisen, anstatt Endkunden davon profitieren zu lassen.
„Das Auto muss leistbar bleiben“ ist ein Satz, den man auch hierzulande oft hört, allerdings hauptsächlich an die Adresse des Staates gerichtet, der bitteschön die Steuern zu senken und die Pendlerpauschale in Ruhe zu lassen hat. Das bisschen Pendlergeld macht das Kraut aber auch nicht fett, wenn, wie der ADAC vorrechnet, gewisse Kompakt- und Kleinwagen-Modelle innerhalb von vier Jahren (2019-2023) um mehr als 25 Prozent teurer werden.
Dass die Hersteller zu Preissteigerungen gewissermaßen gezwungen werden, lässt der ADAC im Übrigen nicht gelten, und führt dagegen ins Treffen, dass viele Hersteller gerade in den Krisen der letzten Jahre satte Gewinne vorweisen konnten.
Zu hoffen, dass der von hohen Preisen abgeschreckte Kunde wohl oder übel zu einem entsprechend älteren Gebrauchten greifen wird, könnte sich als Trugschluss erweisen. Denn Alternativen gibt es gerade im städtischen Bereich längst, und die junge Zielgruppe ist deutlich flexibler als der Autokunde von einst. Dass ein Sharing-Nutzer für Handel und Aftermarket deutlich weniger einbringt als ein Pkw-Besitzer, versteht sich von selbst.
Die Preisentwicklung bei den Neuwagen ist also eine Gefahr für die Zukunft des Autos und für die förderliche Entwicklung der gesamten Branche. Wer will, dass die Automobilität als Kulturgut und Wirtschaftsfaktor erhalten bleibt, muss sich auch darum sorgen, dass der Einstieg für möglichst viele leistbar bleibt.
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