Für Aufregung sorgt das – nicht rechtskräftige – Urteil, das der Klagsverein Deutsche Umwelthilfe (DUH) erwirkt hat: Das Verwaltungsgericht Schleswig hat den Freigabebescheid des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für das Software-Update eines Motors für unzulässig erklärt. Mit Spannung blickt man dem Revisionsbescheid entgegen: Denn die DUH, die dieses Urteil nach sechs Jahren erstritt, hatte gegen insgesamt 119 Rückrufbescheide des KBA geklagt. Auch für Österreich drohen unabsehbare Konsequenzen, weil sowohl Typgenehmigungen als auch Rückrufbescheide stets von der deutschen Zulassungsbehörde KBA erteilt wurden. Im Extremfall geht es in Österreich um die Zulassung von 1,67 Millionen Dieselfahrzeugen der Abgasnormen Euro 5 sowie Euro 6a und b.

Gäbe es einen anderen Ausweg aus dem Dilemma, als – wie die betroffenen Autobauer – weiter auf ein für sie positives Ende der (vielleicht noch viele Jahre andauernden) juristischen Auseinandersetzungen zu setzen? Ließen sich vielleicht komplizierte Rückabwicklungsverfahren bereits im Vorfeld vermeiden, indem die betroffenen Hersteller in die Offensive gingen?

Der Absatz von Fahrzeugen stagniert derzeit gerade im Bereich der Privatkunden, die vermutlich einen Großteil der potenziellen Kläger ausmachen. Würde man die verunsicherten und mit der Marke unzufriedenen Kunden aktiv ansprechen und ihnen als Wiedergutmachung für Fehler der Vergangenheit mit Marketinggeld-Unterstützung ein unwiderstehliches Angebot zum Umstieg auf einen (emissionsfreien) Neuwagen machen, ergäbe sich sowohl für die Autobesitzer als auch für die Hersteller eine Win-Win-Situation: Einerseits würde der Absatz wieder angekurbelt, andererseits könnten damit zumindest mit all jenen, die ein solches Angebot in Anspruch nähmen, nicht nur weitere endlose und teure Rechtsstreitigkeiten vermieden, sondern auch Kunden zufrieden gestellt werden.

Auch der Handel, der derzeit über das magere Geschäft mit den Privatkunden klagt, wäre mehr Geschäft sicher nicht abgeneigt, das ihm in der Folge Servicearbeit beschert. Statt verärgerter Konsumenten, die ihren Frust mit der Marke außer am Stammtisch in der Regel bei ihrem ersten Ansprechpartner – dem Händler ihres Vertrauens – abladen, dürften sich Markenpartner über mehr Auslieferungen an nun zufriedengestellte Käuferinnen und Käufer freuen.

Nachdem einige Hersteller ja bereits auf neue Vertriebssysteme  (Agentur) umgestellt haben, liegt es mehr denn je in ihrer Hand, zu bestimmen, was den Kunden zufriedenstellen soll. Noch gibt es die Chance, anstatt drohender Gewitterwolken Tabula rasa zu machen, um ein verbeultes Image bei einer Masse von Kunden gezielt in eine gute Zukunft zu wandeln.

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