Optimismus gehört zum Geschäft, für Autohändler ebenso wie für uns Journalisten. Doch ein g’sunder Realismus schadet ebenso wenig. Genau der ist nun gefragt!

Schauen wir uns die Zulassungszahlen aus dem ersten Halbjahr näher an: 126.690 Stück bei den Pkws sind zwar ein Plus von 16,7 Prozent im Vergleich zu den ersten 6 Monaten 2022. Doch damals litt die Branche unter massiven Lieferschwierigkeiten, die auch heute noch spürbar sind – nämlich in den zeitlich verzögerten Zulassungen.

Am Point of Sale, also in den Schauräumen, sieht es ganz anders aus: Das sagt so gut wie jeder Manager eines Importeurs, mit dem wir in den vergangenen Wochen gesprochen haben, und das waren sehr viele. Und auch die Autohändler bestätigen, dass sie deutlich mehr Aufwand betreiben müssen, um die wenigen kaufwilligen Kunden zur Unterschrift zu bewegen.

Was noch dazu kommt: Die „Rabattitis“, die wir schon überwunden glaubten, feiert dieser Tage fröhliche Urständ‘. Und damit auch die Kurzzulassungen. Man muss nur schauen, wie es den Marken in den ersten 20 Tagen eines Monats ergangen ist – und diese Tabelle dann mit dem Rest des Monats vergleichen.

Das heißt: Auch wenn man die Zahlen der ersten 6 Monate verdoppelt, kommen wir heuer nur auf rund 250.000 neu zugelassene Pkws. Doch auch das wird schwer, da irgendwann auch die letzten Aufträge aus dem Vorjahr abgebaut sind und – wie erwähnt – längst nicht so viele neue Kaufverträge reinkommen, wie es sich die Hersteller und Händler wünschen.

Was das bedeutet? Hoffen auf bessere Zeiten – also auf das Ende der finanziellen Kalamitäten, die uns nach dem Ende der Pandemie durcheinander würfeln. Auf ein Ende des Krieges in der Ukraine, auf niedrigere Rohstoffpreise, auf sinkende Zinsen.

Erst wenn das der Fall ist, wird die Kauflust in den Autohäusern wieder steigen. Nachholbedarf gibt es ja, immerhin sind seit Beginn der Pandemie vor gut 3 Jahren insgesamt mehr als 300.000 neue Autos weniger verkauft worden.

Sind die fetten Jahre also endgültig vorbei? Mehr als 350.000 Einheiten wie es vor einigen Jahren der Fall war werden es wohl nie mehr werden, das wage ich hier zu behaupten.

Immerhin brauchen die älter werdenden Autos mehr Reparaturen: Wenigstens das freut die Branche, denn die Werkstätten sind gut gefüllt. Hoffentlich noch lange!

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.