Nach dem Premium-Hersteller Mercedes-Benz erfolgt mit Stellantis die zweite Umsetzung des Agenturvertriebs in Österreich, mit großen Unterschieden im Händlernetz und im Volumen. Dabei blickt der Konzern auf turbulente Jahre zurück: Waren Peugeot und Citroen über Jahrzehnte getrennt betreut und händlerseitig getrennt vermarket, sind die beiden Marken nach und nach enger zusammengerückt. Dann hat PSA den Volumenhersteller Opel von GM gekauft und die deutsch-amerikanischen Strukturen in das französische Unternehmen integriert. 2021 folgte die Fusion mit FCA, das seinerseits schon eine spannende Italien-USA-Fusion von Fiat-Alfa Romeo-Lancia mit Chrysler und Jeep hinter sich hatte. 

Damit setzt sich Stellantis heute aus einem beeindruckenden Markenportfolio zusammen: Abarth, Alfa Romeo, Citroen, Dodge, DS Automobiles, Fiat, Fiat Professional, Jeep, Lancia, Maserati, Opel/Vauxhall, Peugeot und RAM. Die (technischen) Synergien sind gerade in der dynamischen und stark wachsenden Elektrifizierung eine gewaltige Chance, die Konzern- und Vertriebsstrukturen sind mit Sicherheit eine Herausforderung. Fusionen, Zusammenlegungen, Neustrukturierungen und natürlich auch Verschlankungen haben die letzten Jahre geprägt. Vertriebsseitig kommt nun mit dem neuen Agentursystem und der teilweisen Markenveränderung im Händlernetz der vorläufige Höhepunkt. Sieht man in die österreichische Händlerschaft, gibt es – mit Ausnahme von den VW-Konzernmarken-Händlern – nur mehr wenige Mehrmarken-Händler, die gänzlich ohne Stellantis-Marke arbeiten.

Mit der kurz bevorstehenden Einführung des Agentur-Systems sind die Augen der europäischen Kfz-Branche auf Stellantis gerichtet, zuerst auf Belgien, die Niederlande und Österreich, die als Pilotländer früher dran sind. Denn auch die anderen Konzerne achten genau darauf, wie Stellantis das System umsetzt. Während die klassischen GVO-Händlerverträge über die Jahre nahezu deckungsgleich waren, gibt es mit dem Agentursystem derzeit die unterschiedlichsten Umsetzungen.

Es ist kein Geheimnis, dass die jüngsten turbulenten Zeiten Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit den Händlern und auf die Stückzahlen hatten. Mit dem Einsatz von Mag. Markus Wildeis als General Manager für die Stellantis Importorganisationen in Österreich setzt der Konzern aber ein wichtiges Signal an die Händler. 

Stellantis-Chef Carlos Tavares hat mit Markus Wildeis nicht zufällig dem Österreicher im Konzern diese Aufgabe übertragen. Wildeis spricht die Sprache des Landes und der Händler, kennt die heimische Kfz-Branche bestens und genießt als ehemaliger, erfolgreicher FCA Austria-Chef einen wirklich guten Ruf bei den Partnern dieser Marken. Wildeis kennt zudem den Konzern sehr gut, war in mehreren operativen und strategischen Aufgaben national wie international für FCA und nun Stellantis tätig. Zuletzt hat er im Bereich Business Development Europe die europäischen Importorganisationen neu geordnet. 

Er wird versuchen, als Verbinder zwischen dem Konzern und den heimischen Händlern auftreten und hat neben dem Händlernetz auch das wichtigste Ziel für beiden Seiten fest im Auge: das Volumen. Insgesamt ist das freilich eine schwierige Aufgabe, zumal viele Wege schon eingeschlagen sind und der nationale Spielraum im europäischen Kontext begrenzt ist.

Nun muss die österreichische Stellantis-Führung in Zusammenarbeit mit den Händlerverbandspräsidenten die Rahmenbedingungen und die Prozesse final festlegen. Wildeis und den erfahrenen Händlerverbandspräsidenten, darunter Peter List, der schon dem europäischen Opel-Händlerverband vorstand und weiß, wie Konzerne ticken – ist eine konstruktive Vorgehensweise mehr als zuzutrauen. In vier Wochen sollen die Verträge unterschrieben sein, für manche operative Themen und Prozesse, etwa die Rechnungslegung durch den Importeur, wurde der Druck rausgenommen und eine Einführungsphase, ein System-phase-in, vereinbart. 

Der Agenturvertrieb ist eine gewaltige Umstellung, mit guten Chancen für beide Seiten, diese Transformation braucht mehr denn je Partner und nicht Gegner. Bei Stellantis scheint man – vor allem im Ton – entscheidende Schritte auf die Händler zu zumachen. Gemeinsam muss man nun an konstruktiven Lösungen für eine erfolgreiche Zukunft arbeiten. 

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