Man merkt, die Herren Professoren sind es gewohnt, ihre Worte auf die sprichwörtliche Goldwaage zu legen und sich auf das zu beschränken, was sie als teils selbst erforschte Fakten auch beweisen können. Angenehm!
Als Kontrapunkt braucht man sich nur auf den Privatsendern einzutunen, da geht’s ans Eingemachte. Haben Sie schon einmal gehört, wie einer das Wort „Waldorfschüler“ mit offenkundiger Abscheu in der Stimme als Schimpfwort gebraucht? Wie ein anderer im Brustton der Überzeugung behauptet, nach zwei Jahren geben die Akkus von E-Autos durch die Bank den Geist auf? So geschehen im Jahre 2023, wohlgemerkt.
Ein bisschen nur, ein ganz kleines bisschen schloss sich für mich dieser Kreis, als im Schluss-Block des altehrwürdigen Motorensymposiums der um nichts weniger würdige Professor Fritz Indra ans Mikrofon trat, um Mercedes-Vice-President Christoph Starzynski zu erklären, der Neuzulassungsanteil von E-Fahrzeugen werde ab sofort bei 15 Prozent stagnieren.
Der für die Entwicklung elektrischer Antriebe bei Mercedes verantwortliche Starzynski war zu baff oder zu höflich, um den honorigen österreichischen Motorenpapst darauf hinzuweisen, dass es – trotz horrender Strompreise – keinerlei Hinweise auf ein Stagnieren des Hochlaufs der E-Mobilität gibt. Dazu braucht man sich nur die Statistikseiten ab S. 48 der Mai-Ausgabe der AUTO&Wirtschaft anzusehen. Auch die von Indra angeführten 15,7 Prozent (deutscher Marktanteil bei den Neuzulassungen reiner BEVs im März 2023) bedeuten gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine Steigerung von 28 Prozent. „Stagnationsraten“ wie diese lassen sich die Elektro-OEM (bzw. die auf dem Weg dorthin) vermutlich gern gefallen.
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