Um es vorab zu sagen: Ich bin weder gegen den Klimaschutz noch gegen Maßnahmen, die diesem Ziel dienlich sind. Welche Maßnahmen das letztendlich sein sollten, sei dahingestellt. In den Augen der Letzten Generation wäre es Tempo 100 auf Autobahnen. Um dieses Ziel zu erreichen, kleben sie derzeit wieder täglich im Frühverkehr auf den Straßen der Hauptstadt. Daraus resultieren kilometerlange Staus, verpasste Termine und erhitzte Gemüter. Im schlimmsten Fall wird vielleicht wirklich einmal ein Einsatzfahrzeug mit fatalen Folgen blockiert.
Sich auf die Straße picken mag die Letzte Generation beherrschen. Was sie eindeutig nicht beherrscht, ist eine fundierte Zielgruppenanalyse. Möchte man nämlich die politischen Entscheidungsträger des Landes zu einem Umdenken bringen, sollte man auch diese Personen adressieren.
Was derzeit passiert, ist das genaue Gegenteil. Zwar ist es letztlich die Zivilbevölkerung, die beim Wahltag die politischen Weichen stellt – einen unmittelbaren Effekt, wie ihn die Letzte Generation fordert, kann sie aber eindeutig nicht herbeiführen. Und auch auf lange Sicht ist das Vorgehen der Gruppierung mehr als nur ungeschickt. Denn das Einzige, was man derzeit auf sich zieht, ist der Unmut eben dieser langfristigen Entscheidungsträger, bei denen man wohl eher tiefe Ablehnung hervorruft, als sie von den eigenen Zielen zu überzeugen.
Mein Vorschlag an die Aktivistinnen und Aktivisten wäre daher, sich zu überlegen, welche Maßnahmen man setzen könnte, um die politischen Akteure direkt zu adressieren, anstatt der Zivilbevölkerung den letzten Nerv zu rauben.
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