Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht in unserer "AUTO-Information" über neue BYD-Partner berichten, dabei handelt es sich oft um große und starke Händler(gruppen) in der jeweiligen Region. Beispiele gefällig? Neben dem (logischen) Denzel-Kundencenter in Wien-Erdberg hat Platzhirsch Ellensohn nun BYD für Vorarlberg übernommen. Das Autohaus Danner startete (mit einer eigenen Tochter-Gesellschaft) die Region Grieskirchen, Slawitschek macht Amstetten und Umgebung. Die Gesellschafter des Autohaus Waldviertel haben eine Tochter für BYD in Horn gegründet und in Klagenfurt wird Aichlseder zusätzlich BYD auf das Mehrmarken-Autohaus schreiben.

Warum das Team rund um Danijel Dzihic das BYD-Netz ebenso schnell aufbauen kann wie kurz zuvor Andreas Kostelecky samt Kollegen jenes von MG, hat zwei Gründe. Zum einen steht Denzel für gelebte Händlerpartnerschaft und hat mit Dzihic und Kostelecky sowie René Wagner (Mitsubishi) und Mag. Roland Punzengruber (Hyundai) authentische und hemdsärmelige Carguys mit Handschlagqualität an der Spitze stehen, die für den Händler greifbar und erreichbar sind. Davon könnten sich andere Hersteller, die immer stärker aus den Konzernzentrale geführt werden und damit kein Gespür für Markt und Partner mehr haben, ein Stückerl abschneiden.

Der zweite Grund ist der Wandel und die Ungewissheit, die auch große Händler derzeit bewegt und sie offen für bislang unbekannte Marken macht. Dass große, erfahrene Händler fast „ung'schaut“, also ohne Kundenerfahrungen, eine neue Marke, noch dazu rein elektrisch, aufnehmen, zeugt vom großen Bedarf.

Dabei steht der große Umbruch noch bevor: Während Mercedes-Benz professionell und skandalfrei bereits auf Agentur-Vertrieb umgestellt und damit das Netz stabilisiert hat, sind andere Premium-Marken wie BMW oder Jaguar Land Rover noch in der Umstrukturierung (und Netzverkleinerung). Ford erfindet sich nicht nur im Vertriebssystem, sondern auch in der Modellpolitik (und damit in der Zielgruppe) neu. Bei den japanischen Herstellern stehen die Vertriebssysteme zwar (noch) nicht auf dem Prüfstand, dafür hinkt man teilweise bei der E-Mobilität hinterher.

Und bei Stellantis wird man erst in den nächsten Wochen sehen, welcher Händler tatsächlich welche Marken bekommt – und wer sie dann auch tatsächlich nimmt. Hier kann das Gefüge noch einmal ordentlich durcheinander gewirbelt werden.

Bislang haben die Hersteller auch davon profitiert, dass die Familienbetriebe eine sehr starke emotionale Bindung an die Marke hatten, mit der sie groß geworden sind. In Zukunft ist für Leidenschaft und Marken-Emotionalität leider kein Platz mehr. Letztlich darf nur mehr zählen, ob die Marke das Überleben des Betriebes sichern kann.

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