Jüngst verstiegen sich diese Klugscheißer zu der Aussage, Wiens Haushalte hätten die niedrigsten „Mobilitätskostenausgaben“ im Vergleich zu ländlich geprägten Bundesländern und fordern prompt ein dichteres Verkehrsnetz mit häufigeren Verbindungen.

 

Warum nicht gleich die Bundesländer zusperren und alle Menschen nach Wien konzentrieren? „Viele Alltagswege mit Öffis, zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen schont nicht nur die Umwelt, zitieren wir „VCÖ-Experten“ Markus Gansterer, „sondern auch die Geldbörse.“ Solche Argumente sitzen, schließlich steigt die Personenzahl pro Haushalt in Wien und sinkt in den Bundesländern.

 

Neben den Landeshauptstädten sollen auch die 124 regionalen Zentren gut mit dem öffentlichen Verkehr untereinander vernetzt werden. Und ein Kostenfaktor ist natürlich die Zersiedelung. Die Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Schule sind dadurch länger. Je zersiedelter eine Region ist, desto höher ist die Abhängigkeit vom Auto. Freie Fahrt für individuelle Mobilität als wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens und ein unumgänglicher Faktor der heimischen Wirtschaft? Brauchen wir nicht!

 

Die Autowirtschaft bleibt cool. Die Autoproduzenten stellen sich selbst infrage und belügen sich und ihre Umwelt selbstgefällig. Lieber schaffen sie jede Menge NZL, Fahrzeuge die es im Tagesverkehr gar nicht mehr gibt, geschweige denn braucht. Die gesellschaftliche Wertschätzung des Autos verliert ihre wirtschaftliche Bedeutung. Arbeitsplätze braucht es nicht mehr, wir werden digital gesteuert und vom Staat alimentiert.

 

Zu den Verhältnissen der politischen Macht hat die heimische Fahrzeugwirtschaft keinen Zutritt mehr. Da kann der Neo-Professor Komm.-Rat Burkhard Ernst noch so laut für „Mein Auto“ eintreten, die Komplexität überfordert die Politik, die wiederum von uns Menschen gemacht wird.

 

Buchautor Gabor Steingart schreibt in seinem Buch „Weltbeben“ von der Gleichzeitigkeit der politischen Problemlagen: die Hochgeschwindigkeit des Digitalzeitalters, ein kapitalistisches System, das zunehmend Maß und Mitte verloren hat und ein tradiertes Parteiengefüge, das seine Dominanz verliert, überfordern aktuell die Problemlösungskompetenz.

 

In diesem faktischen Nichts kann sich ein VCÖ einnisten, Gefühle werden bewirtschaftet, Wirklichkeit kuratiert. Je abstrakter das Weglassen von Einzelheiten und das Überbinden auf etwas Allgemeineres, desto besser. Wir finden keine ausgewogene Antwort mehr auf alles, was in unserer Welt passiert. Wir beklagen die Erhitzung des Weltklimas, heizen es aber weiter an. Die Geschichte lehrt uns die Risiken der Schuldenpolitik und wir verschulden uns weiter. Digitalisierung und Globalisierung führt zur sozialen Spaltung. Logisch, dass es dafür kein eigenes Auto mehr braucht.

 

Der tragende Mittelstand verliert seinen Halt, wird von der Politik vernachlässigt. Niemand findet sich, der uns Wirtschaftstreibenden zuhört. In diesem Vakuum lärmt zum Beispiel ein VCÖ, richtet Schaden an am Arbeitsplätze erhaltenden Unternehmertum. Die Initiative „Mein Auto“ kann helfen, Verunsicherung in Optimismus zu verwandeln – ist aber für die Würste, wenn sich niemand dafür einsetzt. •