Alles, worauf wir in der Welt bisher zu Recht stolz waren – Erfindergeist, Ingenieurskunst, Industrieunternehmen, Ausbildungssystem – droht von den digitalen Aggressoren aus dem Silicon Valley (wo immer das auch ist) zerstört, ausgeweidet und dominiert zu werden, schreiben die Wirtschaftsexperten Marc Beise und Ulrich Schäfer in ihrem Buch „Deutschland digital“. Alle selbsternannten Gurus der Automobilszene wissen theoretisch, Problemzonen wie fehlenden Parkraum, Staus, Unfälle, Lärm und Abgase zu beseitigen. Ferdinand Dudenhöffer doziert in seinem jüngsten Buch „Zeitenwende in der Autoindustrie – Wer kriegt bis 2030 die Kurve?", das er beim 9. AUTO-&-Wirtschaft-Tag am 18. Oktober 2016 persönlich in der Wiener Hofburg vorstellen wird, über das „System Auto“. Für ihn wird es nicht mehr isoliertes Fortbewegungsmittel sein, sondern Teil einer in sich vernetzten Mobilitätswelt.

 

Viele kluge Dinge stehen in derartigen Textwerken. Nichts sei verloren, digitale Fabriksysteme können auch wir Europäer – und die großen Player werden auch daran verdienen können. Weit und breit liest man sich durch das Labyrinth von Wann und Kann, wie die vernetzten Autos bei Robotik, Sensorik oder Künstlicher Intelligenz unser Leben optimieren. Nichts steht in diesen gescheiten Büchern, wie man wieder Arbeitsplätze schafft und damit wieder Kaufkraft. Wir fahren mit, werden mitgenommen auf eine Reise ins Ungewisse. Die Autohersteller von heute werden zu Mobilitätsdienstleistern von morgen, sie verkaufen in der vernetzten Welt keine Produkte mehr, sie verborgen nur noch und kassieren dafür. Die Modelle zur Nutzung von Mobilität werden – künstlich intelligent – vorgeschrieben.

 

Autonomes Fahren beinhaltet mehr als banale Technik. Wir werden mit einer Menge rechtlicher und ethischer Konsequenzen konfrontiert. Künftig entscheiden Institutionen, Konzerne über unsere Köpfe hinweg. Das Auto gehört nicht mehr dem Nutzer, es gehört einer fremden Macht, die über unsere individuelle Mobilität entscheidet. In der Früh werden die Menschen autonom an ihre Arbeitsplätze transportiert, so nicht Homeoffice verordnet ist, dann erst kann der Individualverkehr starten, gesteuert von der Kommune.

 

Wenn dann scheinheilig die Frage daher kommt, welche Macht dürfen wir der Technik geben, dann wissen wir, dass globale Kräfte weitgehend diesen Weg bestimmen, so wir Menschen lokalen Bedürfnissen folgend nicht rechtzeitig eingreifen.

 

Die Autohersteller samt ihren Zulieferern gehen zunächst einen Weg, ihre global jahrelang geschönten, von Größenwahn betriebenen Absatzzahlen mit neuen Szenarien zu kaschieren und zu reparieren. Ehe es so weit ist, muss die Basis – der Autohandel, das Gewerbe, der Dienstleister – für geeinte Verhältnisse sorgen, sonst überrollt uns diese Entwicklung wie ein Panzer. Apropos Panzer: Alle diese unter Paradigmenwechsel geführten wirtschaftlichen Scharmützel haben vor 77 Jahren auch zu einem globalen Ereignis geführt.

 

Der Unterschied: Heute gibt es kaum noch einen Flecken Erde, wo man sich und das Kapital vor diesem Unheil verstecken kann. Und die künstliche Intelligenz hilft uns dabei keinen Schritt weiter. •