Im Dezember 2015 erzielte FCA die bis dahin höchsten US-Verkäufe der Unternehmensgeschichte. Dabei sei jedoch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, behaupten zwei Händler. Sie brachten eine Klage ein, laut der sie dazu angehalten wurden, am Monatsende überhöhte NW-Verkaufsmeldungen abzugeben. Nach erfolgter Schönung der Statistik seien diese Meldungen am Beginn des Folgemonats wieder storniert worden, wofür FCA die Händler mit vermeintlichen Werbezuschüssen „belohnt“ habe.
Ähnliche Vorwürfe hatte im Juni 2015 bereits ein Vertragsbetrieb der (ebenfalls zu FCA gehörenden) Nobelmarke Maserati erhoben. Jetzt interessieren sich das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht dafür. In den vergangenen Tagen wurden laut übereinstimmenden Medienberichten vom FBI Razzien an den Privatadressen mehrerer Gebietsleiter durchgeführt. Der Hersteller selbst weist die Vorwürfe zurück: „Es handle sich um nichts mehr als die Erfindung zweier verärgerter Händler.“
Unterdessen verweisen US-Medien darauf, dass ähnliche Praktiken auch von anderen Herstellern angewendet werden: So habe BMW 2015 nicht zuletzt deshalb Lexus und Mercedes überholt, weil die Händler im Dezember mit bis zu 1.750 US-Dollar pro Fahrzeug zur Erneuerung ihrer Ersatzwagenfuhrparks motiviert wurden.
Derartige Praktiken gehören auch am heimischen Automarkt zum Alltag. Ob auch hierzulande zuweilen die Grenzen des rechtlich Zulässigen überschritten werden? Wettbewerbsrechtliche Ermittlungen gab es bislang zwar nicht, doch könnte dies auch daran liegen, dass die europäischen Behörden einfach nicht so genau hinschauen wie ihre amerikanischen Kollegen. •
