Hurra, der Neuzulassungsmarkt wächst: Im 1. Halbjahr um 6,3 %! Ach ja: 2.000 E-Autos sind da auch darunter. Freunde und Feinde der Automobilität schreiben das, ohne den Wahrheitsgehalt zu hinterfragen. Das Ausmaß der Debatte um die Kfz-Eigenzulassungszahlen, ein grenzenloses Phänomen, steht in keiner Relation zur wirtschaftlichen Realität.

 

Dabei wäre die wirksamste Maßnahme zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung eine Senkung der Arbeitslosigkeit und eine Erhöhung der Arbeitseinkommen. Aber das will den Globalisierern nicht unter die lokal tätige Hirnrinde. So haben wir im Land immer mehr Leistungsbezieher und im Gegenzug immer weniger Beitragsleistende. Und in dieser Schwere der Marktsituation machen die Autoimporteure ihre Wachstumsgeschäfte: Soeben revidieren sie ihre Markteinschätzung auf bis zu 320.000 Neuzulassungen nach oben. Applaus!

 

Mit dem klassischen NW-Geschäft ist kein Geld mehr zu verdienen, jammert hingegen der gesamte Autohandel. Aus Sicht der Importeure ist die Zuspitzung der Debatte auf diese Entwicklung natürlich unsinnig, weil irgendwie wird jedes „Neuauto“ irgendwann „verkauft“. Zwar immer weniger an Privathalter, denn immer mehr davon verzichten aus Kostengründen auf ihr eigenes Auto und bedienen sich allenfalls neuer Mobilitätskonzepte. Für die Autohersteller bedeutet das, dass jetzt schon immer weniger Autos benötigt werden, für die Kfz-Werkstätten immer weniger Servicekapazität. Glaubt man den Auguren von Frost & Sullivan, werden ab 2025 pro Jahr 20 Millionen Autos weltweit weniger gekauft werden.

 

Was damit verbunden allein in der Automobilwelt an Arbeitsplätzen verloren geht, kann sich jeder halbwegs logisch denkende Mensch selbst ausdenken und zu den Auswirkungen wie vorhin beschrieben hinblicken. Dass die neue „Always-On-Generation“ auch ihren Job brauchen wird, um sich das Internet der Dinge mit Smartphone und Carsharing leisten zu können, wird verschwiegen. Denn in Wahrheit ist nichts gratis. Bei wachsender Zahl der Arbeitslosen ist das Eigenzulassungsbeispiel Stimmungsmache ohne Substanz. Wir werden uns wirtschaftspolitisch die soziale Frage neu stellen müssen, damit die gegenwärtige krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus nicht weiter autoritäre Bewegungen stärkt.

 

Österreichs Wirtschaft ist exponiert in die Wertschöpfungskette (Zentral-)Europas eingebettet. Will man die gewaltigen Herausforderungen der heimischen Automobilwirtschaft im Zeitfenster bis 2025 konfliktfrei bewältigen, braucht es eine Neudefinition des Verhältnisses von Staat und Markt. Die Probleme der Gegenwart – soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, ökologische Krise usw. – können ansonsten vom privaten Sektor nicht gelöst werden. Produktivitätszuwächse müssen wieder lokal beansprucht werden. Alles nur eine Frage der Sichtweise! •