Von der Politik gelernt, senden Firmen aller Dimensionen rund um die Uhr ihre Meldungen in die Redaktionen, die dann unreflektiert und nahezu im Text unverändert verbreitet werden. Copy and paste sagt die Passivredaktion dazu. Der Text gelangt, wenn auch noch so schwachsinnig, in die Öffentlichkeit und die Verursacher freuen sich über 100e uniforme Berichte, die kaum einer liest aber Redaktionsraum füllt. Die Internet-Riesen haben ihre Freude, sie verdienen als einzige Geld damit, der Nachrichtenverbreiter beherrscht perfekt die Tyrannei, und taugt, seine Effizienz von Werbung zu steigern.

 

Zwei Beispiele: Ein lokales Reiseunternehmen unterstützt den SC Magdeburg, dessen Bus – auf XY-Reifen – den deutschen Handballmeister zu seinen Auswärtsspielen transportiert. Die ureigenste Botschaft, Karkassen und Neureifen durch das konzerneigene Runderneuerungsverfahren als ressourcen- und umweltsparend darzustellen, verkommt zur Nebensache. Dennoch werden die Redaktionen mit Aufmachern gefüttert, damit die Texte unreflektiert in die Öffentlichkeit gelangen können. Gratis!

 

„Auto reparieren kann auch Spaß machen“, versucht Technologieriese Delphi auf der Automechanika seine Nachrüstprodukte via Handyspiel „Car Mechanic Simulator“, die angeblich meistverkaufte Spiele-App, den Markt zu stimulieren. Wieder steht das Spielen im Mittelpunkt und nicht Produkt und Markthygiene. Hauptsache ist die Information, dass die App bereits 5 Millionen Mal aufs Handy geladen wurde. Ob das stimmt, ist völlig egal. Interessiert auch niemanden, trotzdem wird meist 1 zu 1 abgedruckt. Gratis geht es ins finanzielle Abseits! Macht nichts, die Zeche zahlen die Redakteure mit ihren geringfügigen Löhnen.

 

In unseren modernen Zeiten müssen Medien, das ist meine Meinung und herausgeberische Vorgabe, Informationsdiener am Konsumenten sein; ein Quotenzwang ist Schwachsinn und fördert nur Vertrauensverlust, Journalisten haben einen wahrheitsgetreuen Zustandsbericht abzugeben, egal ob es den Mächtigen passt oder nicht. Und wenn Journalisten Zweifel haben, dann müssen sie diesen auch formulieren dürfen. Wir tun dies, auch wenn wir Medienleute nie allwissend sein können. Denn kein Mensch ist das, wusste schon der Philosoph Immanuel Kant zu zitieren!