Am stärksten seien Hersteller und Zulieferer betroffen, die Produktionsanlagen mit hoher Kapazität auf der Insel besitzen, so der deutsche Branchenexperte. Unter den globalen Automobilkonzernen seien dies Nissan und der zum indischen Tata-Konzern gehörende Hersteller Jaguar Land Rover (JLR).
Nissan (inkl. Infiniti) sowie Jaguar Land Rover produzierten 2015 jeweils rund 500.000 Fahrzeuge in Großbritannien. BMW kommt auf rund 200.000 produzierte Fahrzeuge mit der Tochter Mini (plus Rolls-Royce), während Toyota dort rund 190.000 Pkw produziert. Auf rund 140.000 bzw. 120.000 Fahrzeuge kommen die GM-Tochter Vauxhall (Opel) sowie Honda.
Den stärksten Negativeffekt werde es jedoch für die britische Automobilindustrie und deren Arbeitsplätze selbst geben, da der Standort außerhalb der EU unattraktiver werde, sagt Bratzel. Insgesamt sei mit einem Anstieg der direkten und indirekten Kosten zu rechnen, wenn Großbritannien im Verhältnis zur EU als Drittland gelte. Die Aushandlung von Kooperationsverträgen werde Jahre dauern und das Ergebnis sei aus heutigem Stand völlig offen.
Aktuell werde bereits jeder Hersteller oder Zulieferer seine anstehenden Investitionsentscheidungen vor dem Hintergrund der Unsicherheiten und möglicher höherer Komplexitätskosten rund um den Brexit gründlich überdenken. Mittel- und langfristig sei auch mit Standortverlagerungen von der Insel in die EU zu rechnen. „Der Brexit wird so insgesamt zu einem schleichenden Exit der Automobilindustrie von der Insel führen. Wirkliche Gewinner gibt es keine“, so Bratzel.
