Um die Anforderungen ihrer Hersteller zu erfüllen, investierten Fabrikatshändler derzeit hunderte Mio. € in traditionelle Autohäuser – und das bei rückläufigen Gewinnentwicklungen und der sich wandelnden Marktsituation. Gleichzeitig positionierten sich die Automobilhersteller für die Zukunft. So kündigen namhafte Hersteller öffentlich an, sich von Fahrzeugherstellern zu Mobilitätsanbietern zu entwickeln. Sie experimentieren mit neuen Mobilitätsdienstleistungen rund um ihre Kernprodukte. Hierfür gebe es bereits zahlreiche Beispiele, von Investitionen in Carsharing-Anbieter oder Agenturen für Mitfahrgelegenheiten bis hin zu neuen Lösungen für Paketlieferungen – in Zusammenarbeit mit Amazon – direkt zum Fahrzeug des Kunden.

 

Unklar sei dagegen die Rolle des Händlers in der künftigen Wertschöpfungskette. Wesentliche Erfolgsfaktoren seien eindeutig die direkte Beziehung zum Kunden sowie die intelligente Verwaltung von Daten – Fahrzeug- sowie Kundendaten.

 Die European Car Dealers (ECD) befürchten deshalb, bei dieser entscheidenden Thematik ins Hintertreffen zu geraten. „Automobilhändler benötigen gleichberechtigten Zugang zu Daten, die von vernetzten Fahrzeugen generiert werden”, fordert Woltermann.

 

Gerade die Kundendaten – die Währung der digitalen Welt – ermöglichten es Automobilhändlern, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig würden hochwertige Ausstellungsräume zunehmend an Bedeutung für den Neuwagenvertrieb verlieren. Während der typische Käufer bis zur Kaufentscheidung in der Vergangenheit noch 5 Mal das Autohaus aufgesucht habe, bleibe heute häufig nur noch ein einziger Besuch.

 

Doch insbesondere bei Daten aus vernetzten Fahrzeugen bestünden Fahrzeughersteller auf einer einseitigen Kontrolle des Datenflusses. Derjenige, der den prioritären Zugang zu diesen Daten habe, verfüge über einen klaren Wettbewerbsvorteil, so Woltermann. Es müsse sichergestellt werden, dass nicht nur die Fahrzeughersteller, sondern auch andere interessierte Marktakteure – und somit auch Automobilhändler – gleichberechtigten Zugang zu diesen Daten erhalten. Die Datenhoheit liege jedoch selbstverständlich beim Kunden.

 

Ohne Zweifel sei es nun an der EU-Kommission, gesetzliche Rahmenbedingungen betreffend den Zugang zu Fahrzeugdaten zu schaffen, so Woltermann.