Detektive und Anwälte waren hinter den Managern der Reifenkonzerne her, um sie beim Small-talk mit den Mitbewerbern zu erwischen und der entsprechenden Strafe zuzuführen. Auf den Fuß folgte eine Entlassung auf die andere und am Ende wussten sich die Menschen nicht mehr anders zu helfen, als über ihre ansonsten geschundenen Vertriebspartner Meinungen und Botschaften auszutauschen.
Man misst also dem Thema Compliance eine Bedeutung bei, die diesem auch unter strengster Beachtung kartellrechtlicher Gesichtspunkte nicht angemessen zu sein scheint. Entsprechend waren auch die Reaktionen auf den Gängen zwischen den Ausstellern: Ohnehin gekündigt, stellte man sich ostentativ zusammen, um zu kommunizieren. In den versteckten Meetingpoints umarmten sich Exkollegen und tauschten sich bei Kaffee und Brötchen aus. Ja sogar ganze Menüs wurden untereinander serviert. Auf diese Art begegneten sie in Essen der Entmenschlichung der Unternehmen und dem Ende des wertvollen, vielleicht über Jahre aufgebauten Beziehungsmanagements.
BRV-Chef Peter Hülzer, der ideelle Träger der Reifen(LEID)messe in Essen mahnte folglich in einer dringend einberufenen Pressekonferenz, die Begrifflichkeiten der Regeltreue nicht aus Angst vor Kriminalisierung den gesellschaftlichen Neiddebatten zu opfern. Die Informationsvermittler aus dem Kreis des Reifenhandels brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Compliance uns auch künftig einen Dialog zwischen der Industrie und dem Handel ermöglicht und nicht als Schutzschild bei der Umsetzung strategischer Maßnahmen gegen die Absatzpartner missbraucht wird. Zu Redaktionsschluss liefen hinter verschlossenen Türen Verhandlungen zur Rücknahme der Kündigungen.
Mit einem Auge zwinkernd wollen wir diese Glosse verstanden wissen, auch wenn dahinter blankens, iuristisches Entsetzen stehen mag.
