Im Frühjahr 2015 hat das von der MA18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung – beauftragte Institut die letzte Befragung durchgeführt, 1 Jahr später wurde nun die fertige Studie präsentiert. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan am Markt der Carsharing-Anbieter.
So hat Car2Go Mitte 2015 sein Geschäftsgebiet eingeschränkt, in den Bezirken 21 und 22, also den Stadterweiterungsgebieten nördlich der Donau, darf man die Fahrzeuge des Free-Floating-Anbieters nicht mehr abstellen. Ende 2015, nach etwa mehr als 2 Jahren, wirft der 2. standortbezogene Carsharing-Anbieter Flinkster (Tochter der Deutschen Bahn) gleich wieder das Wiener Handtuch: aus wirtschaftlichen Gründen und weil die notwendigen Stellplätze nicht zu bekommen waren.
Demnach scheint Carsharing in Wien nicht gerade ein boomendes Erfolgsmodell zu sein. Die Presseaussendung aus dem Büro der Vizebürgermeisterin sowie der Text auf der Website der Gemeinde Wien zeigen allerdings vollste Zufriedenheit mit der Entwicklung und dem Status.
Stationäres Carsharing wird tatsächlich sehr stark von Menschen genutzt, die kein eigenes Auto besitzen. „Die Entwicklung des stationären Carsharing-Angebots in Wien erfolgte nicht in dem dynamischen Ausmaß, das im Jahr 2012 noch erwartet wurde“, schränken die Studienautoren allerdings ein. Schließlich ist mit Zipcar, nach eigenen Angaben weltweit größter Carsharing-Anbieter, nur noch ein stationärer Player in Wien aktiv. Mit etwas mehr als 100 Fahrzeugen, mit 62 Fahrten pro Tag in Wien und einer Nutzung von 0,01 täglichen Fahrten pro Kunden ist die Bedeutung mehr als überschaubar.
Die sogenannten Free-Floater, also Anbieter, deren Fahrzeuge überall in der Stadt übernommen und wieder verlassen werden können, entwickeln sich mit Car2Go (Mercedes-Benz) und DriveNow (BMW) besser: Knapp 7.000 Fahrten pro Tag in Wien und eine Nutzung von 0,06 täglichen Fahrten pro Kunden.
Deren Nutzer sind interessanterweise selbst Autobesitzer. Während der Durchschnitt in Wien bei 0,77 Pkw je Haushalt liegt, ist dieser Wert bei den Free-Floating-Usern mit 0,91 Pkw pro Kunden deutlich höher. Die Gemeinde Wien macht sich jedenfalls keine Sorgen, dass CarSharing den öffentlichen Verkehr konkurrenzieren könnte: „Im Vergleich zu den 2,5 Mio. Fahrgästen pro Tag im öffentlichen Verkehr in Wien ist der Anteil der Carsharing-Wege mit rund 7.000 pro Tag sehr gering.“
Umgekehrt besteht wenig Gefahr, dass Wiens Autobesitzer zugunsten des Carsharings auf ihr eigenes Fahrzeug verzichten. Momentan stehen knapp über 1.000 Carsharing-Fahrzeuge in Wien zur Verfügung, der Pkw-Bestand der Bundeshauptstadt liegt bei über 680.000.
Doch der Druck, den die Wiener Stadtregierung auf den motorisierten Individualverkehr ausübt, wird wohl noch weiter steigen – mit dem Ziel, private Pkw aus der Bundeshauptstadt zu verdrängen.
