Neue Modelle dienen den Branchenlenkern auch heuer als Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu sehen. Den (europäischen wie weltweiten) Gesamtmarkt schätzen die meisten Manager um 2 bis 3% steigerungsfähig, für die eigenen Unternehmen ist man üblicherweise noch zuversichtlicher.
Carlos Ghosn, Präsident von Renault-Nissan, erwartet heuer beispielsweise ein „moderates" Wachstum des weltweiten Automarkts um 1 bis 2%. Europa entwickle sich „überraschend gut" und habe bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres die Erwartungen deutlich übertroffen. Der japanische Markt sei dagegen „bestenfalls stabil", in Brasilien und Russland seien neuerlich zweistellige Marktrückgänge zu erwarten. Dennoch halte man an der Präsenz in diesen Regionen fest, so Ghosn, der auch die nach dreistelligen Millionenverlusten laut gewordenen Gerüchte um Managementveränderungen beim russischen Konzernunternehmen Avtovaz dementiert: „Nennen Sie mir eine Marke, die derzeit in Russland Geld verdienen kann."
Schlechtere Geschäfte in Regionen wie Lateinamerika würden durch überraschend starke Zuwächse wie beispielsweise in den USA wettgemacht, erläutert Sergio Marchionne, CEO von Fiat Chrysler Automobiles, die Situation seines Konzerns: „In Summe produziert unser Haus so hohe Erträge, wie wir ursprünglich vorhergesagt haben."
Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler, kann derzeit beinahe weltweit Zuwächse verzeichnen. Besonders stolz ist er freilich auf die trotz des harten Verdrängungswettbewerbs in Europa erzielten Steigerungen: „Wir haben in den letzten 2 Jahren sowohl unsere Absatzzahlen als auch die durchschnittlichen Verkaufspreise gesteigert. Das beweist, dass wir unsere Autos nicht verschenken."
Die Automobilhersteller profitieren also von ihrer längst globalen Präsenz. Für die europäischen – und damit österreichischen – Händler ist der zurückgekehrte Fokus ihrer Lieferanten Segen und Fluch zugleich: Einerseits gibt sich kaum ein Konzernlenker mehr der Illusion hin, dass außereuropäische Märkte alleine selig machen. Andererseits wird hierzulande künftig mit noch höherem Herstellerdruck um die verbliebenen Kunden gekämpft werden.
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