Das Phänomen der Denunziation ist nicht neu. Aber durch das Internet und dessen unkontrollierbare Verbreitung hat es eine andere Dimension erhalten. Auf der einen Seite die globalisierte Industriemacht, auf der anderen Seite die inzwischen auch globalisierten Weltverbesserer, dazwischen die Masse. Wehrlos, gleichgültig, zunehmend kaufkraftlos!
Die Industrie hat für alles eine technische Lösung parat, während die Weltverbesserer ständig die negativen Wirkungen auf den menschlichen Organismus anprangern. Wie wir uns das auf Dauer leisten wollen, darüber wird nicht gern öffentlich gesprochen.
Nun erleben wir erstmals seit dem Ende des 2. Weltkrieges kein Wachstum mehr. Den Managern geht landauf und landab der Schmäh aus. Keine Statistikkosmetik kann die hässlichen Narben einer schrumpfenden Nachfrage mehr länger kaschieren.
Soeben hat die WHO den Dieselpartikel als Luftschadstoff Nr. 1 wieder in die öffentliche Diskussion geworfen. Gierig nehmen wir Medienmacher diesen Ball auf und modellieren an der Brisanz nach Belieben. Die einen denken, jetzt kann man alte Dieselmaschinen, die nicht nur in Automobilen arbeiten, entweder mit neuen Filtern beikommen oder am besten mit Neuanschaffungen. Rund 1 Million alte Rußschleudern allein auf Österreichs Straßen lässt fette Beute für die nicht im Inland produzierende Industrie vermuten. Die anderen sagen, weg damit. Zwecks Öffentlichkeitswirksamkeit wird eine schwierig nachweisbare Mortalitätsrate plakatiert. Gelehrte bleiben ungehört, dass durch derartige Verleumdung drei Gruppen zerstört werden: Diejenige, die verleumdet, diejenige, die dem Verleumder zuhört und letztlich diejenige, die verleumdet wird.
Verleumdung einmal ausgesprochen, lässt sich im heutigen Internet-Zeitalter kaum mehr aus der Welt schaffen, nur schwer wieder gutmachen, auch wenn sie später aufgeklärt wird. Das Bremsenproblem von Toyota in Amerika ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich GM kaltblütig an seinem Mitbewerber abreagierte, um von den eigenen Problemen abzulenken. Das nachgelagerte Toyota-Geschäft ist bis heute dramatisch und zeigt seine Wunden bis hinunter in die Verkaufsländer.
Zigaretten rühre ich mein Leben lang nicht an und dennoch bin ich Passivraucher, Alkohol mag ich nicht und bin permanent in Gefahr, von Alkoholikern attackiert zu werden. Seit Jahrzehnten bin ich mit Asbest in Berührung, bewege mich in Dieselautos und fliege kerosinschwanger durch die Weltgeschichte. Und als täglich Joggender bin ich prädestiniert, Unmengen an Luftschadstoffen zu inhalieren. 60 Jahre bin ich dabei alt geworden und lebe immer noch. Bis dato gesund!
Für den, der im Netz am Pranger steht, hat das oft schwerwiegende Folgen. So ist das auch mit dem Internetpranger. Jenseits der juristischen Bewertung werden tagtäglich in den Medien mutmaßliche Verbrechen an unserer Gesundheit angeprangert, oft mit erheblichen negativen Folgen für die ganze Wirtschaft, gleich ob sie schuldig ist oder nicht. Ein Detail: Der von Autos verursachte Dieselpartikelanteil hält in Österreich am Gesamtausstoß keine 5 Prozent. Da möchte ich in Zeiten des Internets hinzufügen: Höhere Kräfte sollen meine Finger davor bewahren, mit der Tastatur Lügen zu verbreiten.