Der Bundesvorsitzende Cem Özdemir sprang auf die Bühne und sagte doch tatsächlich, dass unsere Gesellschaft künftig nicht ohne Automobil auskommen werde. Zur Demokratie gehöre die freie Wahl der Mobilität. Der sozialen Gerechtigkeit gehöre die Entscheidung. Aber andere Fahrzeuge mit Klimavorgaben, die schrittweise realisiert werden müssten, um massenmarktfähig zu werden. Autos planlos aus Städten zu verbannen, funktioniere nicht, würde Wachstumsverzicht und Arbeitsplatzverlust nach sich ziehen. Ja, das sagte der Grünen-Politiker.
Was macht Wiens „Traumfräulein“ Vassilakou? Bahn, Rad, Bahn, Rad, Bahn, Rad und etwas Carsharing – ein Perpetuum mobile. Ansonsten werden Abzockmechanismen installiert, ohne Herz und ohne Hirn.
Der gute Özdemir aus dem Schwabenland ist clever genug, weniger radikal gegenüber der Automobilbranche aufzutreten, fährt er doch selbst als Bundessprecher einen 318er-BMW.
Dem Vorwurf, bei seiner Diskussion vorher Kreide gegessen zu haben, wird sich Vassilakou nicht aussetzen müssen. Die stiehlt lieber einigen tausend Autofreunden und mit den Steuergeldern der Autofahrer die Lust am Auto, als einige tausend asthmakranke Kinder zu riskieren. Ein niedliches Motiv! Sie arbeitet schon an neuen Dienstleistungsformen, wie sie die vielen Radler in eine neue starke Wirtschaftsnation umbilden wird. Ob das der Wähler will oder kann, ist ihr egal. Es gibt ja aus der Wirtschaft keine Gegenwehr und der Verkehrsclub wird dienstbefohlen vom ORF als Autofahrerclub ausgewiesen.
Unsere „Autolobby“ steht fasziniert vor ihrem in der Öffentlichkeit schwindenden Image. Eingeklemmt von Herstellern befohlenen überlogenen Absatzmärkten, schnippeln die Importeure die Margen zusammen, im Markt herrscht wenig Kauffreude. Dennoch suggerieren die Marktteilnehmer der Öffentlichkeit andauernd steigende Neuzulassungszahlen.
Und keiner unserer Funktionäre regt sich darüber auf, dass diese Baustelle zuerst saniert werden muss, um danach Internetautokauf und Margenerosionen in den Griff zu bekommen.
Die Industrie hat ihre Lust an Europa verloren, alles ist dem Aktienkurs und den Überseemärkten geschuldet. Bei uns darf ein und dasselbe Auto schon mehrmals in drei oder vier EU-Ländern als Neuwagen angemeldet werden. Dümmer geht es ja wohl nimmer, ist die Autobranche aufgerufen, endlich zu erkennen, dem Trend der Zeit folgend, sich virtuell besser zu bewegen. Ansonsten dauert es nicht mehr lange und unsere Internetgeneration kauft künftig ihre Autos im Kaufhaus à la Ikea. Fazit: Autos haben ihre emotionale Strahlkraft verloren. Wann verlieren die Händler die Lust am Automobilgeschäft?
Verlassen wir die alten Pfade, sonst sind wir im Autogeschäft tatsächlich die Deppen der Nation.
