„Regulierung rauf, Schutz runter, und keine Vision für die Zukunft“ – so dramatisch beurteilt Ford-Manager Dr. Wolfgang Schneider den Umgang der europäischen Politik mit der Autobranche. Er sieht massive Überkapazitäten in der europäischen Autoindustrie: Bis 2015 würden 35 % mehr Fahrzeuge produziert als verkauft werden können, die Überbeschäftigung liege bei 25 %. „In Europa ist es aber gesellschaftlich nicht akzeptabel, Werke zu schließen“, so Schneider. Er fordert ein Umdenken: „Die Politik muss anerkennen, dass wir Restrukturierungen brauchen, um wieder eine vernünftige Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen.“
Im Gegensatz zur Industrie seien im Handel die Strukturen bereits an die Marktrealität angepasst, so Schneider. Freilich haben die Händler ebenfalls ihre Sorgen: So konnte man sich mit den Herstellern bislang auf keine „Code of Conduct“ einigen, der die per 31.5.2013 auslaufenden Schutzbestimmungen der Kfz-GVO weiterführt. „In manchen Fällen ist es daher vielleicht einfacher, Vereinbarungen direkt mit den einzelnen Herstellern auszuhandeln“, so Jaap Timmer, Vorsitzender der Markenhändlervereinigung „European Car Dealers“. Dennoch will Timmer die Hoffnung auf eine Gesamtlösung für die Branche nicht aufgeben. Eines seiner weiteren Anliegen ist die Ertragsverbesserung: „In vielen europäischen Ländern schreiben die Händler ausschließlich Verluste.“ Selbst am vergleichsweise stabilen deutschen Markt würden die Renditen seit dem Vorjahr wieder sinken.
In den USA schreiben die Händler dagegen Rekorderträge. Der Preis dafür war eine deutliche Marktbereinigung. Im Jahr 2000 gab es lt. der Branchenvereinigung NADA 22.250 Autohändler, 2011 waren es nur mehr 16.000. „Der Trend zu größeren Händlern, die noch mehr Standorte übernehmen, wird sich fortsetzen“, so NADA-Funktionär Albert Gallegos. Die Ursachen sind jetzt aber nicht mehr Insolvenzen, sondern Eigentümer, die ihre Chance auf hohe Verkaufspreise nützen. Autohäuser sind in den USA nämlich zu begehrten Investitionsobjekten geworden. Im Vorjahr betrug der Durchschnittsertrag pro Betrieb 738.000 Dollar, im Krisenjahr 2008 waren es dagegen nur 277.000 Dollar. Selbst im an sich sehr guten Jahr 2000 wurden im Schnitt „nur“ 456.000 Dollar erwirtschaftet. Gallegos blickt optimistisch in die Zukunft : „Die Profitabilität wird in den nächsten Jahren weiter steigen.“
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