Sollte es Strategie sein, die wegen der lauernden Krise nervöse Autowirtschaftgemeinschaft zu beruhigen, dann geht sie gerade nicht auf. Die Europäische Gemeinschaft liefert ein Finanzdesaster nach dem anderen, die Automärkte brechen zusammen und just in Österreich ist alles paletti. Der Automarkt liefert ununterbrochen positive Nachrichten. 356.000 und ein paar noch dazu Neuzulassungen bei sinkender Kaufkraft. Zelebriert an einem Tag auf der Vienna Autoshow und beim Eurotax-Empfang.
Im Wust solcher Erfolge und Schmeicheleien fällt gar nicht mehr so richtig auf, wie unglaublich diese Aktion ist, die sich die heimische Autobranche leistet.
Die jüngste Interpretation der Branchenspitzen, mit dem kolportierten Ergebnis eine wirtschaftliche Lebensader zu besitzen, passt genau ins Profil der Politik, die ganz und gar nicht so (auto)mobilitätsfreundlich ist, wie sie sich da und dort gibt. Ständig drohen neue Steuern – siehe Straches jüngster Vorstoß mit der Einführung einer Autoluxussteuer, die es ohnedies seit Jahrzehnten gibt – und angesichts solcher Jubelzahlen wird die Begehrlichkeit, Autos weiter zu besteuern, steigen. Da spielt es keine Rolle, dass rund die Hälfte des Kaufpreises für ein Auto jetzt schon der Staat kassiert.
Wir müssen positiv denken, wird der Branche eingetrichtert, und 2012 werden es sicher wieder statistische 320.000 Pkw-Neuzulassungen werden – am besten wir toppen das Ergebnis wieder. 400.000 wäre eine schöne Zahl! Auch wenn Jahr für Jahr über 40.000 Tageszulassungen Österreichs Straßen nie befahren, weil ein paar Importeure in der Lage sind, Fahrzeuge zu exportieren. Die Bestandsstatistik hinterfragt keiner; auch nicht, ob dem Servicegewerbe in ein paar Jahren die Arbeit ausgeht.
Die Nation hat sich an diese Prozedur gewöhnt, wo wie man sich an den bellenden Hund von nebenan gewöhnt – so sehr, dass man es ihm sogar durchgehen lässt, dass er ab und zu beißt. Damit diese Prozedur noch einen wirksamen Schock auslöst, muss vermutlich einhergehend mit explodierenden Treibstoffkosten ein rabiates Fahrverbot einen Schock auslösen. Alles unterhalb dieser Schwelle kann die Autobranche nicht davon aufhalten, einmal im Jahr mit Scheinzulassungen die Öffentlichkeit zu betören.
Neuerdings will die Branche wieder mit der Regierung über ihre Probleme reden. Und währenddessen bauen die Statistikexperten in den bekannten Systemen weiter am Ziel, heuer 400.000 Neuzulassungen zu erreichen.
The same procedure as every year.
