Der österreichische Neuwagenmarkt hat in den vergangenen Monaten spürbar zugelegt: zweistellige Wachstumsraten, ein starkes Plus bei Benzin-Hybriden und ein stabiler Aufwärtstrend bei Elektrofahrzeugen. Diese Entwicklung wirkt direkt in den Gebrauchtwagenmarkt hinein.
Parallel zu den Neuzulassungen steigt aber auch die Zahl der Kurzzulassungen an. Dies bedeutet einen erhöhten Preisdruck bei jungen Gebrauchten und ein steigendes Rabattniveau. Gleichzeitig bleibt der Firmenkundenanteil hoch, was das Angebot an Leasing-rückläufern weiter prägt.
Die tatsächliche Mobilitätsrealität der Österreicher entscheidet sich im Gebrauchtwagenhandel. Mit jährlich über 800.000 Besitzumschreibungen ist der Zweitmarkt das wirtschaftliche Rückgrat der Branche. Mittels des DAT-Marktrecherche-Tools, wo wir aktuelle Marktbewegungen von Börseangeboten sowie realen Händlertransaktionen beobachten, stellen wir spannende Entwicklungen über Antriebsarten, Segmente und Altersklassen hinweg fest.
Gebrauchte E-Autos: Das Bild dreht sich
Bislang standen gebrauchte Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) unter massivem Restwertdruck. Der wachsende Rücklauf an Leasingfahrzeugen traf auf spürbare Skepsis bei Privatkäufern. Doch das Bild dreht sich seit einigen Monaten merklich: Bei Stromern, vor allem bei jenen, die jünger als fünf Jahre sind, sehen wir eine klare Bodenbildung und in gefragten Segmenten sogar wieder leicht anziehende Preise und das bei einem kräftigen Anstieg der Zahl der Ummeldungen (+27 Prozent).
Drei Faktoren treiben diese Entwicklung: Zum einen greifen Konsumenten bei den inzwischen marktgerechten Angebotspreisen vermehrt zu, was die Standtage auf den Händlerplätzen messbar verkürzt.
Zum anderen sorgt der Vormarsch chinesischer Hersteller für Dynamik. Marken wie BYD (Platz 8 in der Neuzulassungsstatistik, +78 Prozent Neuzulassungsplus 1–7/2026 gegenüber Vorjahreszeitraum), MG und Leapmotor oder kürzlich auch Jaecoo & Omoda, Chery und Geely drängen mit attraktiven Einstiegspreisen, moderner Plattformtechnik und Garantieversprechen von bis zu acht Jahren bzw. 200.000 Kilometern in den Markt.
Während europäische Hersteller meist nach zwei Jahren auf kostenpflichtige Anschlussgarantien setzen, schaffen die Newcomer aus Fernost ein starkes Sicherheitsversprechen für Erst- und auch Zweitkäufer.
Als dritter Punkt ist die verbreiterte Angebotspalette zu erwähnen. Vor allem in den kleineren Fahrzeugsegmenten gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Modellen mit einem Neupreis von 20.000 bis 25.000 Euro. Auch hier kommen nach und nach junge Gebrauchtwagen auf den Markt.
Sondereffekt bei den Verbrennern
Auf der anderen Seite stützt ein struktureller Son-dereffekt den Verbrennerbestand: Der massive Einbruch der Neuzulassungen während der Pandemie und der Halbleiterkrise der Jahre 2020 bis 2023 hinterlässt eine tiefe Lücke. Fahrzeuge, die damals nicht gebaut oder zugelassen wurden, fehlen dem Zweitmarkt heute als gefragte drei- bis fünfjährige Leasing-rückläufer.
Weil der Nachschub im mittleren Alterssegment fehlt und Neuwagen teuer bleiben, weichen viele Privatkäufer auf ältere Fahrzeuge aus. Die Folge: Solide Benzin- und Dieselmodelle im Alter von fünf bis neun Jahren und älter verzeichnen eine bemerkenswerte Wertbeständigkeit und steigen im Preis aktuell sogar leicht an – speziell bei Gebraucht-Verbrennern im Segment unter 10.000 Euro.
Diesel: Nische beim NW, dominant beim GW
Während der Diesel im Neuwagengeschäft mit einem Anteil von knapp unter 10 Prozent bereits zum Nischenprodukt wird, dominiert im GW-Geschäft immer noch der Diesel den Markt, auch wenn die Treibstoffpreisentwicklung durch die diversen politischen Krisenherde auch hier viele Gebrauchtwagenkäufer zum Umdenken bewegt.
Bei den Segmenten sind vor allem Fahrzeuge aus dem B- und C-Segment, und hier vor allem in der SUV-Bauform, nach wie vor der Renner und am wertstabilsten. Gute Nachfrage besteht z. B. auch nach den klassischen Familyvans, die inzwischen aus dem Neuwagenangebot komplett verschwunden sind – falls der Kilometerstand nicht zu hoch ist.
Diese gegensätzlichen Marktkräfte – steigende Restwerte bei älteren Verbrennern, Normalisierung bei jungen E-Autos und der Zustrom neuer Marken – machen eine exakte Fahrzeugbewertung unverzichtbar, um Fehleinkäufe oder überlange Standzeiten
zu vermeiden.
