Können Sie sich noch erinnern, wie intensiv die Automotivebranche die Zeit nach der Corona-Pandemie herbeigesehnt hat? Endlich wieder Veranstaltungen, endlich wieder Netzwerken. Bei vielen Formaten, die wir das Jahr über besuchen, spürt man noch immer den Willen, sich nicht nur mittels digitaler Kanäle, sondern vor allem im persönlichen Gespräch auszutauschen. Und so haben sich unterschiedlichen Messen und Fachevents seit einigen Jahren wieder nach oben entwickelt. Aber nicht alle, denn besonders die jüngst in Köln statt-gefundene The Tire Cologne hat sich bestenfalls stabilisiert.
Aber genau dort wurde eines sichtbar: Die Reifenbranche wird internationaler, wie auch in anderen Segmenten rund um das Fahrzeug wird der Einfluss asiatischer Hersteller stärker, während renommierte europäische Unternehmen unter einem enormen Druck stehen. Dieser ist offenbar bereits so groß, dass man sich genau überlegt, wo eine Präsenz überhaupt Sinn macht. Und das ist der Punkt: Nach 2024 blieben auch in diesem Jahr viele (einst) branchenführende Reifenhersteller der Messe fern oder präsentierten sich in so kleinem Umfang (nicht größer als ein „Tischchen“), dass sie einem erst gar nicht weiter aufgefallen sind. Das wirft nicht unbedingt ein positives Licht auf die Branche. Und auch der Versuch, die nicht ausstellenden Reifenproduzenten mit Herstellern von Investitionsgütern rund um den Reifenservice zu kompensieren, ist vielleicht nur bedingt aufgegangen. Zumal in einigen Wochen die Automechanika in Frankfurt hier ein ähnliches Fachbesucherpublikum anlockt und dann auch noch mehr Fläche, mehr Auswahl und noch mehr Möglichkeiten bietet.
Schade ist auch der Umstand, dass die heimische Reifenbranche von der Tire Cologne, die sich immerhin als eine der Leitmessen in diesem Segment definiert, kaum bis gar nicht Notiz nimmt. Nur äußerst spärlich waren Verantwortliche aus der Alpenrepublik anzutreffen und falls sie überhaupt da waren, brauchten sie in der Regel nur wenige Stunden, um aus den drei Messehallen das für sie Relevante herauszufiltern.
Auch wir waren zwei Tage in Köln sehr nahe am Geschehen und haben alles Wichtige und Neue für Sie, liebe Leserinnen und Leser, zusammengetragen. Wie sich die Tire Cologne in zwei Jahren präsentieren wird, wissen wir nicht. Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass sie zur alten Stärke zurückkehrt und dass sich jene Reifenhersteller, die sich Premium auf die Fahnen schreiben und einen gewissen Marktanteil auf dem europäischen Markt einnehmen, zur Veranstaltung in Köln bekennen. Mein Appell richtet sich aber auch an die österreichische Reifenbranche: Es lohnt immer, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich neuen Gegebenheiten auf dem Markt nicht zu verschließen. Eine Fachmesse lebt von Frequenz und Qualität beim Fachpublikum.
In diesem Sinne: Bis in zwei Jahren in Köln!
