„Independent Automotive Aftermarket“ – kurz IAAM, so nennt sich der milliardenschwere Geschäftsbereich, der bei der Automechanika in Frankfurt in der Vorwoche im Fokus stand und bei dem es sich rund um das Geschäft der (freien) Werkstätten (und des Teilehandels) dreht.
Wie von Kollegen Bernhard Katzinger schon während der Veranstaltung berichtet, war die Stimmung gut bis fulminant. Wie man an den derzeit gut ausgelasteten Werkstätten sehen kann, ist das Segment „Repair & Maintenance“ aktuell eine Erfolgsgeschichte, vor allem im freien Bereich.
Dieses Feedback hat man auch von vielen Ausstellern auf der sehr gut besuchten und ausstellerseitig sehr erfolgreichen Automechanika erhalten. Das sind gute und wichtige Nachrichten für die Branche, das Konzept "Messe" funktioniert in diesem Bereich, sowohl bei Neuheiten bei Produkten und Dienstleistungen, aber auch bei Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen und zukünftigen Themen.
Die aktuellen Probleme der Automobilindustrie in Deutschland (und damit eng verbunden auch in Österreich) werden lieber in den Hintergrund gerückt. Gleichzeitig sieht man beim genaueren Blick die großen Herausforderungen, die auch der Aftermarket nicht ignorieren kann.
„Unsere Erfolge aus dem Aftermarket werden im Konzern gerne genommen, aber an den Einsparungen müssen wir uns natürlich auch beteiligen“, berichtet ein Mitarbeiter eines großen Originalteile-Herstellers und bringt damit die aktuelle Situation auf den Punkt.
Die Volumen sind generell rückäufig. Zudem haben die Erstausrüster bereits gewaltige Investitionen in die Elektromobilität getätigt, mit dem holprigen Hochlauf vor allem in Deutschland können diese aber noch nicht ausreichend zurückverdient werden. Dennoch ist der Elektrifizerungsfokus mittelfristig alternativlos. Selbst bei Teileherstellern, die noch vor wenigen Jahren gänzlich im Bereich Verbrennungsmotor aktiv waren, sieht man die Bestrebungen neue Geschäftsfelder mit den neuen Antrieben aufzubauen. Auch in der Werkstattausrüstung nehmen Lösungen für die Elektromobilität zu.
In den Gesprächen mit uns Journalisten positionieren sich die Konzern-Ansprechpartner gerne „technologieoffen“, bei deren Gesprächen mit den Werkstätten hat man eher das Gefühl, als möchte man die Antriebswende nicht zu stark thematisieren. Schließlich will man sich die Party, die man auslastungsseitig in den Werkstätten gerade feiert, nicht verderben lassen.
Dennoch müssen die derzeit guten Aftersales-Erträge der Kfz-Betriebe genutzt werden, um sich auf die neuen Herausforderungen wie Elektromobilität, Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren, Digitalisierung und KI sowie natürlich dem neuen Kundenverhalten und dem Fachkräftemangel vorzubereiten. Es muss nicht unbedingt schlechter werden in den Werkstätten, aber es wird mit Sicherheit anders, und zwar relativ bald. Um die Party weiter zu feiern, muss man rechtzeitig an Location, Inventar und Personal arbeiten.
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