Welches Potenzial Elektrofahrzeuge als Energiespeicher haben, erläuterte Dr. Jens Berger, Geschäftsentwickler Energieökosysteme der BMW Group, bei den IMH-Energietagen in Wien. BMW beschäftigt sich bereits seit 2017 mit bidirektionalem Laden. Im Forschungsprojekt BDL wurden unterschiedliche Anwendungen untersucht – von privaten Haushalten mit Photovoltaikanlagen über gewerbliche Flotten bis zur Bündelung von Fahrzeugen für den Energiemarkt.

Eine zentrale Erkenntnis: Die Technologie ist grundsätzlich serienreif, allerdings muss die gesamte Wirkungskette bis ins Fahrzeug standardisiert werden. Zudem sind regulatorische Rahmenbedingungen entscheidend. Insbesondere doppelte Netzentgelte erschweren bislang wirtschaftliche Geschäftsmodelle.

Bis zu 14.000 Kilometer kostenlos laden

BMW hat dennoch bereits 2025 ein erstes Produkt in Deutschland auf den Markt gebracht. Mit dem neuen BMW iX3, einer bidirektionalen Wallbox und einem entsprechenden Stromtarif können Kunden in Deutschland durch die Bereitstellung ihrer Fahrzeugbatterie bis zu 720 Euro jährlich erhalten. Das entspricht laut Berger Stromkosten für rund 14.000 Kilometer. Zusätzlich ist eine feste Vergütung für rückgespeiste Kilowattstunden vorgesehen.

Mehr zu: V2G braucht heute die Regeln für morgen

Die Erfahrungen zeigen laut Berger, dass sich auch das Ansteckverhalten der Kunden positiv verändert. Mit dem Forschungsprojekt BDL Next sollen nun die Voraussetzungen für den Massenmarkt geschaffen werden. Im Mittelpunkt stehen Standardisierung, intelligente Messkonzepte sowie die Integration in Energie- und Stromnetze.

Neben Vehicle-to-Grid (V2G) sieht Berger großes Potenzial bei Vehicle-to-Home (V2H), wo die Fahrzeugbatterie als Speicher für den eigenen Haushalt. Die mögliche jährliche Ersparnis bezifferte er auf 300 bis 600 Euro. Die entsprechende BMW Wallbox Professional ist laut Berger auch für Österreich freigegeben.

Schachinger setzt auf Großspeicher und E-Lkw

Wie sich Stromerzeugung, Speicherung und Elektromobilität im gewerblichen Bereich verbinden lassen, zeigte Günther H. Gfrerrer, Geschäftsführer der Schachinger Logistik Holding. Das Unternehmen betreibt Photovoltaikanlagen mit 8,6 MWp Leistung und setzt auf einen Batteriespeicher mit 60 MWh Kapazität.

Derzeit sind 25 Elektro-Lkw sowie 39 elektrische Transporter im Einsatz. Bis Jahresende soll die Zahl der elektrischen Nutzfahrzeuge auf über 100 steigen. Bis Ende 2028 strebt Schachinger eine vollständig elektrische Lkw- und Transporterflotte an.

Lesen Sie mehr zu: BiDi als Teil der Lösung

Entscheidend ist das Energiemanagement: Tagsüber versorgen die PV-Anlagen den Standort und die Fahrzeuge, Überschüsse werden gespeichert. In der Nacht werden die Fahrzeuge entsprechend ihrer Touren und benötigten Ladezustände priorisiert geladen.

Laut Gfrerrer sind Elektro-Lkw auf den Strecken des Unternehmens bereits ohne Förderung der Fahrzeuge günstiger im Betrieb als Diesel-Lkw. Die Mautbefreiung leistet dazu allerdings einen entscheidenden Beitrag. Mit der bisherigen Elektrifizierung wurden rund zwei Millionen Kilometer elektrisch zurückgelegt, 600.000 Liter Diesel eingespart und die CO₂-Emissionen um rund 2.000 Tonnen reduziert.

Flexibilität wird zum Geschäftsmodell

In einer von Tara Esterl (AIT) moderierten Podiumsdiskussion ging es um die Flexibilität des Energiesystems. Vertreter von Wien Energie, oekostrom, BE Energy und AIT betonten das große, bislang ungenutzte Potenzial auf Verbraucherseite.

Deutlich wurde bei den Energietagen, dass die Verbindung von Stromerzeugung, Speichern, Elektrofahrzeugen und intelligentem Energiemanagement neue Möglichkeiten eröffnet – für private Haushalte ebenso wie für Unternehmen.