A&W: Am 20. Mai hat Stellantis-Chef Antonio Filosa 4 globale und 5 regionale Marken präsentiert: Opel ist eine regionale Marke. Was bedeutet das für die Zukunft?

Mag. Judith Porstner: Als einzige deutsche Marke im Stellantis-Konzern hatte Opel immer einen sehr wichtigen Stellenwert, vor allem die Produktion in Deutschland war immer sehr wichtig und wird es auch weiterhin bleiben. Das wurde immer wieder kommuniziert. Dass sich Stellantis mit einzelnen Marken nun auf Regionen wie Europa konzentriert, zeigt, dass wir genau dort eine große Vergangenheit und Stärke haben. Das heißt nicht, dass wir klein denken, sondern es geht dorthin, wo man Opel in der Historie sieht. Unsere Positionierung war schon immer regional, Opel war vor allem in Europa aktiv. Wichtig ist die Alleinstellung als deutsche Marke, und dazu kommt jetzt die Kooperation mit Leapmotor, die Florian Huettl angekündigt hat. Das ist eine perfekte Entscheidung, denn Leapmotor ist perfekt in Sachen Software. Opel hat seine -bekannten Stärken, das wird sich gut ergänzen.

Die Produktion bleibt also weiterhin in Europa?

Porstner: Natürlich. Die gemeinsam mit Leapmotor entwickelten Fahrzeuge von Opel werden in Saragossa in Spanien gebaut, wo ja auch der Opel Corsa produziert wird. Und das gemeinsame Produkt kommt 2028 auf den Markt. Wichtig ist, dass der nächste Astra wieder in Rüsselsheim produziert wird. Ins Stammwerk wird viel Geld investiert. Aber nicht nur dort, sondern generell in die Marke, damit Opel in Zukunft fit bleibt.

Wie sieht die Modellplanung von Opel in den kommenden Jahren aus? Es gibt oft Gerüchte, etwa über eine Neuauflage des Manta oder des Monza?

Porstner: Bis 2030 kommen 4 neue Modelle: 3 davon sind selbst uns noch nicht bekannt. Aber es werden die richtigen sein – also in Bereichen, wo man noch Potenzial am Markt sieht. Was die Gerüchte betrifft: Es gibt die Fans gewisser Modelle, das freut uns. Aber nicht nur von Fahrzeugen, die sie genannt haben, sondern auch von Autos aus der letzten Generation, wo es keinen Nachfolger gibt. Unser Carpark liegt in Österreich bei knapp 5 Prozent, da gibt es viel Potenzial.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Verkauf? 

Porstner: 2026 war bis jetzt ein gutes Jahr. Wir haben im 1. Halbjahr ein Plus von 21,6 Prozent und wachsen deutlich stärker als der Markt. Heuer gibt es im Pkw-Bereich wieder eine sehr erfreuliche Entwicklung, und wir sind jetzt dabei, eine gut gefüllte Orderbank auszuliefern. Man sieht das im Juni mit einem Marktanteil von 3,8 Prozent. In den kommenden Monaten wird der Trend weiter gehen. Vor allem bei unserem Besteller Frontera gibt es eine sehr hohe Orderbank, hier verkaufen wir mehr als die Hälfte mit reinem Elektro-Antrieb: Das Auto war im Mai Nummer 1 im B-Segment Electric und Nummer 2 im gesamten B-Segment.

Das Ziel wird wohl eine weitere Steigerung sein …

Porstner: Ja, das ist ganz klar unser Ziel. Unser Bestand in Österreich liegt bei knapp 5 Prozent. Da ist noch mehr drin. Die genaue Zahl hängt aber von vielen Faktoren ab. Wir sind heuer bei 3 Prozent gestartet und werden sicher nicht bei 3 Prozent stoppen. Wir sehen, dass jetzt wieder eine Opel Community entsteht: Diese Leute sind stolz, einen Opel zu fahren, und die Kunden schauen genau auf die Details, etwa beim Grandland auf die Kupferfarbe oder beim neuen Astra auf die beleuchtete Front, die es bei allen Versionen gibt. Wir machen auch verstärkt Aktivitäten, wie etwa in der SCS, wo 1,3 Millionen Menschen pro Jahr ein- und ausgehen. Die Kooperation mit einem Händler-partner ist auf 4 Monate angelegt.

Wie stark spüren Sie die neuen Mitbewerber, also vor allem die chinesischen Hersteller?

Porstner: Man spürt die neuen Mitbewerber, aber die alteingesessenen spürt man noch viel mehr.

Wie geht es dem Händlernetz? Hier gab es in den vergangenen Jahren einige Veränderungen.

Porstner: Wir sehen, dass vor allem jene Partner, die schon lange dabei sind, sehr gut auf den Zug mit den neuen Modellen aufgesprungen sind. Aber auch die neuen Partner bringen schon sehr gute Erfolge.

Gibt es noch Chancen für weitere Partner, ins Opel-Netz aufgenommen zu werden?

Porstner: Es gibt immer wieder neue Bewerber. Wir haben eine gute Abdeckung, aber es gibt einige Gegenden, wo ein neuer Partner Sinn macht. Diese Gespräche werden dann weiterverfolgt. Also wird es wahrscheinlich noch heuer Neuerungen geben, über die ich momentan aber noch nicht sprechen kann. Sehr viele erkennen das Potenzial der Marke Opel und wenden sich daher an uns. Dann müssen wir schauen, ob es für beide Seiten passt. Das braucht seine Zeit.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Händlern? Für die war es ja nicht immer leicht, da es an der Spitze des Importeurs immer wieder Veränderungen gab …

Porstner: Ich bin mit Anfang Juli 2 Jahre in dieser Position: Das Team ist jetzt schon länger komplett, als Letztes wurde Anfang 2025 die Position im Marketing neu besetzt. Seither sind wir stabil unterwegs. Die Partner sehen, dass Opel liefert. Der Frontera kommt super an, der Grandland verkauft sich gut. Der Corsa ist immer noch unser Bestseller, und jetzt kommt der neue Astra auf den Markt. Daher haben wir ein sehr, sehr gutes Verhältnis zu unseren Händlern. Außerdem haben wir den Combo Pkw als Verbrenner zurückgebracht. Das bemerken wir aktuell in einer sehr hohen Zahl an Social--´Media-Clicks. Und dieses Auto wird aus heutiger Sicht auch fixer Bestandteil der Produktpalette bleiben.

Die Kritik der Händler ist also geringer als in früheren Zeiten, verstehe ich das richtig?

Porstner: Wir hatten Ende April die Händlertagung in Rüsselsheim, das war fast wie bei einem Familienausflug mit über 100 Personen. Florian Huettl ist extra gekommen, um die Strategie zu erklären und war auch beim Abendessen und beim Gruppenfoto dabei. Und Chefdesigner Mark Adams hat gezeigt, welche neuen Modelle kommen. Wir sind im Team immer ansprechbar, wenn es Themen gibt, das gilt für mich und auch für Vertriebsleiter Rainer Kowarsch. Und einmal im Quartal trifft sich der Vertriebs- und Marketingausschuss, wo die Mitglieder aktiv mitarbeiten.

Wenn man sich den „Händlerradar“ vom Vorjahr anschaut, hat Opel zwar an Zustimmung zugelegt, war aber noch hinter anderen Marken platziert. Vor allem der Bereich Aftersales wurde kritisiert.

Porstner: Hier haben wir reagiert, denn Aftersales ist ein wichtiger Bereich, dass die Kunden länger bei der Marke Opel bleiben. Wir haben mit 5 Personen personell aufgestockt. Durch die neue Betreuung erfolgt die Lösungsfindung schneller. Wir sehen das im Feedback der Händler, also wie viele Fälle es gibt und wie schnell sie gelöst werden. Das hat sich deutlich verbessert.

Florian Huettl im Interview
Rund 1 Jahr vor seinem Auftritt am „A&W-Tag“ in Wien gab Florian Huettl, Chef der Marke Opel, in Rüsselsheim im Juni 2024 ein großes Interview: Auch mit zeitlichem Abstand spannend zu lesen!