Digitalisierung, Elektrifizierung, neue Vertriebssysteme: über die Megatrends der Autobranche berichten wir schon lange. Mit März 2020 sind andere Probleme in den Vordergrund gerückt und haben bislang undenkbare Situationen mit Lockdowns, dramatischen Lieferschwierigkeiten, Pull-Market und hoher Werkstattauslastung gebracht.

Mit starkem Werkstatt-Geschäft, höheren Margen (bei deutlich weniger Volumen) beim Fahrzeugverkauf sowie entsprechenden Förderungen haben die meisten Betriebe diese extrem herausfordernde Zeit mit einem blauen Auge überstanden. War zuletzt also rasche Reaktion auf kurzfristigen Probleme gefragt, gilt es nun den Fokus wieder auf die langfristige Entwicklung, die Transformation der Branche, zu setzen. 

Das beginnt bei der Antriebstransformation: die meisten namhaften Hersteller werden in den nächsten zehn Jahren den Verbrenner in Europa einstellen. Die neuen Anbieter aus China kommen ohnehin (fast) rein elektrisch. Darauf müssen sich die Betriebe einstellen. Nicht nur im Verkauf, auch in der Werkstätte, wo das Volumen weniger wird und die Anforderungen anders.

Zudem werden die Fahrzeuge teurer, die Einstiegsklassen fallen teilweise gänzlich weg. Mit Euro7 ist eine weiter Preis- und Komplexitätssteigerung – zumindest in den unteren Fahrzeugklassen – zu erwarten. Hier sind leistbare Lösungen für Stammkunden gefragt.

Dazu kommen die Änderungen im Vertriebssystem. Die Hersteller setzen mit Ihren Agenturverträgen verstärkt auf große Partner, aber auch bei etwaigen kleineren „Agenturen“ ist eine zukunftsgewandte Einstellung und Ausstattung erforderlich, wieder sind wir bei der Digitalisierung und der Elektrifizierung.

Dabei stellt sich berechtigt die Frage, ob man noch einen Händlervertrag will oder braucht. Aber ohne Importeurs-Partnerschaft müssen die Herausforderungen der nahen Zukunft allerdings noch besser, bzw. mit anderen Partnern bewältigt werden.

Der Händler bzw. die Werkstätte als Marke, vor allem auch in der digitalen Welt, ist eine Grundvoraussetzung in der „neuen“ Kfz-Branche. Digitalisierung in der Kundenbetreuung, im Marketing aber auch in der Organisation des Betriebes ist unumgänglich. Prozessoptimierung ist bei rückläufigem Werkstätten-Geschäft ein Gebot der Stunde.

Es wird zusätzliche Kompetenzen im Bereich der Elektrik und der Elektronik brauchen. Das beginnt in der Werkstätte und geht weiter bei der Beratung und dem Verkauf von E-Autos, reicht über umfassendes Wissen über den Einsatz elektrischer Modelle bis hin zum Verkauf, Vermittlung und der Beratung bei Ladezubehör und Ladeinfrastruktur. Auch das Match um die Ladepunkte ist längst im Gange, hier müssen sich Autohäuser und Tankstellen rechtzeitig die richtigen Partner sichern.

Alternative Nutzungsmodelle wie Auto-Abo werden eine wachsende Bedeutung erhalten, hier gilt es ebenfalls, rechtzeitig die Pflöcke einzuschlagen, auch hier braucht es die richtigen Partner. 

Nicht zuletzt bleiben die Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg: Fachkräfte für die digitale Kundenbetreuung, Verkäufer für die gesamte Welt der Elektromobilität, Kfz-Techniker, die Elektrik und Elektronik beherrschen, aber auch Karosserie-Spezialisten die mit dem neuen Materialmix zurechtkommen. Ebenso brauchen die Bereiche Reifen, Aufbereitung oder Glas gute Mitarbeiter, denn diese wichtigen Themen laufen weiter, egal wie das Fahrzeug angetrieben wird.

Es geht jetzt um neue Händlerverträge bei bestehenden und neuen Marken, um Partner bei alternativen Nutzungsmodellen, bei Ladepunkten, fürs Flottengeschäfte, für die Reparaturinformationen; und es geht um die richtigen Mitarbeiter.  

Das Match um die erfolgreiche Zukunft ist im vollen Gange!

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