Mit durchschnittlich rund 8,5 Prozent hätten die Automobilhersteller zuletzt eine EBIT-Marge auf Rekordniveau verzeichnet. Im Zuge der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Materialknappheit und der darauffolgenden Unterversorgung mit Halbleitern hätten sie sich auf höherwertige Modelle und margenstarke Kanäle konzentriert und höhere Preise durchgesetzt, wie Bain erhob.
Doch nun dürfte sich das Blatt wenden: Zum einen verbessere sich die Versorgungslage bei Halbleitern, zum anderen verschlechtere sich die gesamtwirtschaftliche Situation deutlich. In der Folge setze ein Verdrängungswettbewerb ein, und die hohen Preise würden aufgrund von verkaufsfördernden Maßnahmen wieder sinken, während die Kosten inflationsbedingt zunähmen. Vor diesem Hintergrund könnte die EBIT-Marge in den kommenden beiden Jahren fallen – und zwar auf geschätzte 4 bis 6 Prozent im Durchschnitt der Hersteller.
Den Preis dafür werden wohl nicht nur die Automobilzulieferer zahlen müssen, die sich schon seit 20 Jahren daran gewöhnt haben, immer wieder mit der Perspektive der großen Absatzzahl beim Preis nachzugeben.
Nur einmal raten dürfen unsere Leserinnen und Leser bei wem die – gegenüber ihren Shareholdern zu Gewinn verpflichteten – Hersteller den Margenrückgang wohl einsparen könnten – sofern sie damit nicht ohnehin begonnen haben…
Die Leidensfähigkeit des heimischen Fahrzeughandels würde abermals auf die Probe gestellt.
Bleibt die Frage offen, bei wem die Autobauer die prognostizierten Verluste „abladen“ wollen, sofern sie sich bereits von ihrem Netz getrennt oder es bereits selbst übernommen haben – sie sich quasi vom „letzten Glied in der Verlustkette“ bereits getrennt haben.
Denn eine „Margen-Optimierung“ im eigenen Haus durchzusetzen gleicht einer Sisyphosaufgabe, die – nicht zum ersten Mal – auf Kosten der Mitarbeiter erledigt werden müsste.
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