Dass die Liefersituation beim Neuwagenkauf in den letzten Jahren und auch derzeit noch eine schwierige ist, ist hinlänglich bekannt. Auch den meisten Kunden ist das bewusst. Wohlwollend werden Lieferzeiten von bis zu einem Jahr oder teilweise sogar noch länger hingenommen, man weiß ja schließlich, worauf man sich einlässt.
„Vorfreude ist die schönste Freude“ wird einem oft ans Herz gelegt – und von mir aus mag die lange Wartezeit die Freude auf das neue Auto wirklich noch etwas steigern – doch wenn dann der prognostizierte Liefertermin in greifbare Nähe rückt, freut man sich auch einfach darauf, dass die Warterei bald ein Ende hat.
Wenn dann vermeintlich der lang ersehnte Anruf eingeht, dass das Auto beim Händler eingetroffen ist, einem stattdessen allerdings erklärt wird, dass es weitere Verzögerungen gibt, ist die Enttäuschung natürlich groß. Aber man wusste ja wie gesagt, worauf man sich einlässt, und so nimmt man auch diese Verzögerung mit einem freundlichen Lächeln hin. Wird dieses Spiel aber viele Wochen weitergespielt und gipfelt in einem regelrechten „Ghosting“ – also das Ignorieren des Kunden (man verzeihe mir die Jugendsprache) – seitens des Händlers, dann geht selbst den geduldigsten Autokäufern irgendwann das Verständnis aus.
Sie merken vielleicht, dass ich aus eigener und schmerzlicher Erfahrung schreibe. Ursprünglich hätte das von mir privat bestellte Fahrzeug im November eintreffen sollen, auch heute, am 12. Jänner 2023, weiß ich noch nicht, wo sich mein Auto befindet. Lediglich dass das Fahrzeug bereits an die Spedition übergeben wurde – es sei allerdings dazu gesagt, dass ich diese Information bereits Mitte Dezember erhalten habe.
Mir ist wohl bewusst, dass man mir mein Auto nicht herbeizaubern kann und auch, dass man als Händler nicht viele Möglichkeiten hat, die Vorgänge bei der Spedition zu beschleunigen. Es ist auch nicht die Lieferzeit per se, die mich dazu veranlasst hat, diese Zeilen zu schreiben, sondern vielmehr das bereits angesprochene „Ghosting“. Was man als Händler bzw. Verkäufer nämlich sehr wohl tun kann, ist dem Kunden das Gefühl zu vermitteln, dass man sich um seine Anliegen kümmert, dass man den Ärger versteht und dass man alles in seiner Macht Stehende für ihn tut. Denn ansonsten verscherzt man es sich vielleicht sogar mit dem treuesten Stammkunden.
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