Dass Kunden über Ausstattungsdetails und -kombinationen für ihr Wunschfahrzeug oft besser Bescheid wissen als der Verkäufer, ist bereits Realität. Potenzielle Autokäufer informieren sich heute online sehr detailliert über ihr Wunschmodell. Dabei eröffnet sich neben Produktinformation, Liefersituation, Rabatten sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen ein neuer, großer Beratungs- und Informationsbedarf im Bereich der Elektromobilität.
Aus unternehmerischer Sicht ist es verständlich: Jeder verkaufte Verbrenner bringt für die nächsten Jahre noch höhere Werkstatt-Umsätze. Doch so einfach ist es nicht. Viele Kunden wollen bereits elektrisch fahren – und wenn sie nicht bei ihrem Autohaus betreut werden, kaufen sie woanders (derzeit sehr oft bei Tesla).
Dazu kommt eine weitere Entwicklung: Bislang haben hauptsächlich begeisterte E-Auto-Fahrer diese Fahrzeuge gekauft und sich selber informiert. Nun kommen jene Kunden, die elektrisch fahren möchten, sich aber nicht in Eigeninitiative mit den geänderten Anforderungen beschäftigen. Dazu kommen Nutzer, die noch gar nicht elektrisch fahren möchten, es mit dem Dienstwagen aber müssen. Und auch diese Fahrer sollten Sie zu zufriedenen Kunden Ihres Autohauses machen.
Die Autohäuser müssen JETZT Kompetenz, Mitarbeiter, Fahrzeugbestand und vor allem zufriedene E-Auto-Kunden aufbauen, um auch in Zukunft hier mitspielen zu können: wirtschaftlich und im Sinne des Importeurs. Was denken Sie: Welche Händler werden von Herstellern bevorzugt? Es sind jene, die konsequent auf E-Mobilität umstellen oder es wie neuen chinesischen Anbieter bereits getan haben!
Ob Sie E-Kompetenz, Ladeinfrastruktur und bereits Kunden in diesem Segment haben, entscheidet auch darüber, ob Sie zukünftig eine Markenvertretung behalten bzw. eine neue dazu bekommen.
Bauen Sie Kompetenz in diesem Bereich auf, melden Sie E-Autos an und machen Sie damit ausgiebige Testfahren, „fahren Sie elektrisch spazieren“. Nur so lernen Sie die neue Technologie kennen: Wovon hängt der Stromverbrauch ab? Wie fahre ich effizient, wann und wie soll ich laden? Wie lädt das Fahrzeug an welcher Ladestation? Wie reagiert der Akku bei unterschiedlichen Ladezuständen, wie bei unterschiedlichen Temperaturen? Welche Anbieter und Ladelösungen brauch ich in meiner Region bzw. auf meinen Standardstrecken?
Ebenso wichtig ist die elektronischen Bedienung des Fahrzeuges: Wie steuere ich die in ihrer Funktionalität stark wachsende Autosoftware? Wie verbinde ich das Auto mit dem Smartphone, welche herstellereigenen Apps werden benötigt? Welche Fremdlösungen, etwa Ladeapps, machen Sinn? Nicht zuletzt kommen Ladelösungen für daheim dazu: Wallboxen, intelligente Ladekabel, bis hin zur Integration in Photovoltaik-Lösungen. Hier wird es Kooperationspartner aus dem Elektro-Bereich brauchen.
Das alles sind Fragen, die einen Elektroauto-Fahrer früher oder später beschäftigen und auf die er – zuerst für seine Kaufentscheidung und später für seinen Alltag – Antworten braucht. Die muss ihm der Autohändler- und der Autoverkäufer als vielzitierte Mobilitätsberater und als überzeugender Ansprechpartner geben können. Andernfalls bestellen die Kunden ihr Fahrzeug dort, wo sich auch die Infos bekommen: im Internet.
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