Dass Energie ein knappes Gut ist, lernt man in Europa derzeit auf die harte Tour. Energiesparen ist deshalb die Parole der Stunde. Immer mehr Menschen entscheiden sich in diesem Zusammenhang auch für den Umstieg auf ein Elektroauto. Damit dieser Umstieg so leicht wie möglich fällt, werden bewährte Trends, wie zum Beispiel der schon angesprochene SUV-Trend, auch in die Elektromobilität überführt. Hoch oben über dem restlichen Verkehr sitzt es sich ja am besten.
Im Lager der Elektroauto-Gegner wird dagegen gerne das Argument der Ressourcenverschwendung vorgebracht. Für den Bau der gigantischen Akkus werden schließlich große Mengen seltener Erden benötigt. Außerdem brauche es auch für den Betrieb der lokal emissionsfreien Fahrzeuge Strom, der häufig aus nicht ganz so emissionsfreien Kraftwerken stammt.
Immer wieder fällt in Zusammenhang mit manchen Elektroautos (beispielsweise BMW i4, Hyundai Ioniq 6) das Wort „Verbrauchswunder“. In Wahrheit ist es stinknormale Physik. Während der sogenannte CW-Wert, also der Luftwiderstandsbeiwert, gerne als Vergleichszahl herangezogen wird, wird die Stirnfläche oft außer Acht gelassen. Dabei ergibt sich der Luftwiderstand nur durch das Heranziehen beider Faktoren (sowie der Luftdichte und der Geschwindigkeit zum Quadrat). So kommt ein BMW iX mit einem CW-Wert von 0,25 auf einen Luftwiderstand von rund 381N bei 108 km/h, der BMW i4 – mit einem marginal niedrigeren CW-Wert von 0,24 – erreicht bei der gleichen Geschwindigkeit einen Luftwiderstand von rund 299N. (Natürlich sind das nicht alle für den Verbrauch relevanten Werte, dennoch zeigt es, was die Stirnfläche eines Fahrzeugs ausmacht.)
Worauf will ich mit all diesem technischen Blabla also hinaus? Mir ist natürlich bewusst, dass auch die Energieeffizienz eines BMW iX deutlich besser ist als jene eines herkömmlichen Verbrenners. Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass auch die Stromproduktion Emissionen verursacht und die für Elektroautos zur Verfügung stehende Energie nicht unendlich ist. Deshalb sollte auch bei Stromern der Verbrauch stärker in den Fokus rücken und so mancher Elektro-Hochsitzer vielleicht kritisch hinterfragt werden.
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